Titel: Realkunst - Realitätskunst , 1987

M. Raskin Stichting

Es gibt in unserem sozialen Feld heute Apparaturen, die einen hohen Verbindlichkeitscharakter haben. Sie beeinflussen unser Wahrnehmungsverhalten, unsere motorischen Fähigkeiten – regulieren – bis ins Kleinste.

Die Entwicklung und Verbreitung dieser Apparaturen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit Massenkommunikationsprozessen (Film, Print, Radio, TV), wie wir sie täglich in unserer Gesellschaft erleben. Es kann heute nicht darum gehen, im revolutionären Pathos, diese Mechanismen zu bekämpfen! Es muß unsere Aufgabe sein, diese Apparaturen zu analysieren und deren (auch psychische) Technologien zu nutzen.

Im Sinne des Baudrillardschen Wortes von der »Dekonstruktion der Medien« propagandistische Strategien entwickeln.

Dem A-kausalen, dem Falschen kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Subversiv operieren! Zweckentfremdete Sätze, zweckentfremdete Bilder einstreuen.

Wir operieren mit programmierten Stimmungen – Simulationen!!

Gegen das Dogma privater künstlerischer Schaffenskraft!

Gegen den Zwang heroische Akte zu liefern! Man weiß, daß erst die Medien heute Realität herstellen, das die Aufbereitung des Ereignisses, das Ereignis des Ereignisses darstellt. So dürfen wir den Zeitgeist nicht ablehnen, das Modernistische nicht bekämpfen, sondern es in unseren Besitz bringen. Anti-Definitionen, revolutionäre Neuerungen haben letztendlich immer traditionelle Werte neu gefestigt! Wir müssen unsere Arbeit als die von Forschern verstehen.

Filme produzieren, Theater machen, Bücher schreiben, Autos reparieren, kochen als pseudo-wissenschaftliche Forschungsprojekte realisieren. Alle denkbaren Felder werden gleichwertig behandelt!

Forschung treiben an Wahrnehmungsmechanismen, am Leben, am Normalen – Wirklichkeit. Vermittlungsformen nutzen.

Die Grenzen verwischen zwischen dem Persönlichen und dem Vorgefundenen!

Künstlich geschaffene, vorher konstruierte Situationen fungieren als Operationsbasen. Die Inszenierungen werden vorgenommen in Form einer Vermischung aller denkbaren Elemente etablierter Ausdrucksformen: Performance, Rauminstallation, Theater, Aktion, Film usf.

Vorrangig geht es nicht um die punktuelle Vermittlung…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang