Ausstellungen: Köln · von Andreas Denk · S. 356
Ausstellungen: Köln , 1999

Andreas Denk

Marcel Odenbach

»Ach, wie gut, daß niemand weiß«

Kölnischer Kunstverein, 6.2 – 21.3.1999

Marcel Odenbach (geb. 1953) verfolgt in seinem Werk der neunziger Jahren sehr beharrlich einen inhaltlichen Faden: Das Hauptinteresse seiner Videoinstallationen konzentriert sich auf den Wandel gesellschaftlicher Haltungen, der im Laufe der gesellschaftlichen und politischen Restauration der letzten zwanzig Jahre stattgefunden hat.

In der Tat: Der rabiate Wechsel von revolutionärem Bewußtsein, das die Achtundsechziger-Generation einte, zu einer saturierten Konsumhaltung von politisch desinteressierten Individualisten dünkt bei historischer Betrachtung nicht nur als „Paradigmenwechsel“, sondern kommt einem kaum begreiflichen Mentalitätswandel gleich. Odenbachs Blick konzentriert sich jedoch nicht auf Europa, sondern versucht das Phänomen global zu fassen: Ihn interessiert gleichermaßen das Weiterleben der Geisteswelt der europäischen „Achtundsechziger“ wie auch die amerikanische „Black-Power“-Bewegung der gleichen Zeit, deren Bilder er aus heutiger Sicht als Repräsentanten einer politisch-bewußten Haltung ins Zentrum seiner Untersuchung stellt.

Dabei ist schon früh die Figur von Martin Luther King in den Mittelpunkt gerückt: King erscheint unter anderem in der Arbeit „Keep in View“ (1991/92), bei der Odenbach zum ersten Mal historische Bilder der Unterdrückung mit Portraits eines Schwarzen und eines Weißen verband. Ähnliche Gleichsetzungen von „schwarzer“ und „weißer“ Geschichte finden sich auch in „Hals über Kopf“ von 1993, dem „Tabakkollegium oder: Es brennt mir unter den Fingern“ (1994) und „Mir hat sich der Kopf verdreht“ (1996).

Auch in seiner jüngsten Produktion für den Kölnischen Kunstverein bedient sich Odenbach dieses meist analog positionierten Bilderkanons, den er in der Halle des Kunstvereins in selten so gelungener Raumbeherrschung, atmosphärischer Intensität und kompositorischer und inhaltlicher Komplexität vorführt. Wie meist,…

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