Ausstellungen: Hagen · S. 384
Ausstellungen: Hagen , 1990

Claudia Posca

Marianne Pitzen

»Neue Gesellschaft«

Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen 11.5. – Mitte Oktober 1990

Um eine Einraum-Installation im Hagener Karl Ernst Osthaus-Museum handelt es sich bei dem Projekt von Marianne Pitzen (1948 in Stuttgart geboren) „Neue Gesellschaft“. Es ist der Versuch eines utopischen Entwurfs einer dem herkömmlichen Museumsbetrieb entgegenstehenden und die übliche Museumskonzeption unterlaufenden Ausstellung: Gezeigt wird nicht das fertige Kunstwerk bzw. ein thematischer oder retrospektiver Überblick über das bildnerische Schaffen von Marianne Pitzen, sondern hier geht es darum, das Museum als Ort zu entfalten, an dem gesellschaftlich Relevantes im Spiegel des Bildnerischen diskutiert wird. Das präsentierte Werk stellt dabei eine Art Forum dar, in dessen unmittelbarer Nähe und im sinnlichen und wiederholt hergestellten Augenkontakt mit ihm im Verlauf einiger Monate die langsame Veränderung der Rauminstallation, die quantitative Zunahme der beteiligten Figuren und eine allmähliche Füllung und atmosphärische Veränderung des Raumes bewußt wird. Grund hierfür ist vor allem die Ausdehnung und Vervielfältigung einer figürlichen Präsenz, wie sie Marianne Pitzen dadurch erzielt, daß sie über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder erneut Figuren in ihr Environment einfügt. „Neue Gesellschaft“ ist eine aus auf Stühlen sitzenden Pappmachéfiguren bestehende Installation in einem Raum des Museums; umgeben von einem schützenden, zum Betrachter hin offenen Hügelwall, ebenfalls aus Pappmaché, scheinen diese Figuren eine kultische Versammlung darzustellen, deren Sinn und Zweck sich in ihrer aufrechten Haltung, einem schweigenden Ausdruck und einer absoluten Präsenz spiegelt. Jede Figur trägt einen sichelförmigen Kopfschmuck, der an einen Halbmond oder eine Doppelspirale erinnert, sowie ein faltenreiches Gewand, das selbst utopische Architektur sein könnte. Vor…

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