Ausstellungen: München · von Heinz Schütz · S. 284
Ausstellungen: München , 2014

Heinz Schütz

Matthew Barney

»River of Fundament«

Haus der Kunst, München, 16.3. – 17.8.2014, Bayerische Staatsoper, München, 16.3.2004

Der Mythos dient, zumal in vormoderner Zeit, als grundlegendes Welterklärungsmodell, das Ritual verhandelt körperlich was der Mythos behauptet. Bereits in den frühen Arbeiten Matthew Barneys stehen der Körper und dessen quasi-mythologische Verklärung im Vordergrund. In seiner Serie der „Drawing Restraint“ lenkt Barney aktionistisch die Aufmerksamkeit von der Zeichnung aufs Zeichnen und, wenn er etwa durch Kletteraktionen zu überwindende Hindernisse installiert, vom Zeichnen auf den gesamten Körper. Die provozierte Körperarbeit, die sich an Widerständen abmüht, wie der Sportler am Muskeltrainer, führt ins Zentrum von Barneys körperbezogener Mytho-Ästhetik. Barney artikuliert sie in seinem „Dreistufenmodell“. Es führt von der „Situation“, einer ungerichteten, insbesondere sexuellen, aber Gender unspezifischen Energie als eine Art Mund, der wahllos alles verschlingt, über die „Kondition“, ein disziplinierender Trichter, der die undifferenzierte Energie sozusagen in den Eingeweiden formt zur „Produktion“, die diese Energie über anale und orale Kanäle veräussert. Barneys männlicher Biologismus, der aus vaginalem Geburtsneid (?) das After ins Zentrum rückt und dessen Wille zur Disziplinierung an die gestählten Körper in Klaus Theweleits „Männerphantasien“ zumindest denken lässt, entwirft auch den vor „River of Fundament“ entstandenen „Cremaster Circle“ im Zeichen eines männlichen Muskels. Der Musculus cremaster zieht je nach Wärme und Kälte oder Erregungsgrad die Hoden in Richtung Körper. Die Temperatur spielt bereits bei Joseph Beuys als plastisches Prinzip eine entscheidende Rolle, bei Barney lädt sich der ästhetisch-mythologische Biologismus sexuell auf.

Während Barneys „Cremaster Circle“ retro-futuristisch, inspiriert von Hollywood, der Werbeindustrie, amerikanischen Mythen und biomedizinischen Einsichten bizarr-perverse…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang