Ausstellungen: Hamburg , 2005

Kathrin Luz

Neue produktion : new production

Moma in Hamburg. Louise Lawler

Kunstverein in Hamburg, 16.4. – 3.7.2005

Enttäuschung ist die erste Reaktion. Nur ein paar Plakate schmücken den unteren Ausstellungsraum des Kunstvereins in Hamburg. Wenn man nicht wüsste, dass sie von der großen amerikanischen Konzeptkünstlerin Louis Lawler wären, würde man sich fast über den gezahlten Eintritt ärgern. Aber die weitere Beschäftigung versöhnt schnell. Louise Lawler (geb. 1947 in Bronxville, New York) ist immerhin eine der anerkanntesten und einflussreichsten Vertreterinnen der Institutionskritik. Einer Kunstrichtung, die sich seit Ende der siebziger Jahre auf kritische und konzeptuelle Weise mit dem Kunstbetrieb und seinen Bedingungen auseinandersetzt.

Sich im Spannungsfeld von Konzeptkunst und Appropriation Art bewegend hat Lawler immer wieder einzelne Kunstwerke oder ganze Ausstellungen ihrer lebenden wie toten Kollegen fotografisch erfasst und durch das intelligente Wechselspiel zwischen Original und fotografischer Reproduktion ihr Wesen und ihre Wirkung kritisch hinterfragt – wenn nicht entlarvt. Kulturelle Praxis und Produktion scheinen für sie eine kollektive Angelegenheit zu sein, die ein selbstreferentielles Bezugssystem entstehen lässt, in dem man sich großzügig bedienen darf. Und das tut sie denn auch. Nicht das authentische Kunstwerk steht deshalb im Zentrum ihrer künstlerischen Auseinandersetzung. Vielmehr eignet sie sich symbolisch fremde künstlerischere Positionen an, um sich das aus ihnen ableitende visuelle Vokabular und seine ihm innewohnende Grammatik zu untersuchen.

Ihre nüchtern und distanziert wirkenden Fotoarbeiten, ihre formal präzisen Dokumentationen vorgefundener Inszenierungen von Kunstwerken in ihren jeweiligen institutionellen, sozialen und ideologischen Zusammenhängen zeigen subtil auf, wie sehr Kunst heute von ihren kontextuellen Verflechtungen definiert wird, wie stark die situativen Gegebenheiten den…

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