Magazin: Briefe , 1987

Walter Dahn:
Offener Brief „Deutsche Bank“

Ich schaue in die Zeitung (in diesem Fall STERN vom 17. 9. 87. S. 145) und schäme mich! Doch dabei bleibe ich nicht stehen, und das Gefühl der Scham weicht einer merkwürdigen Klarheit: Natürlich wurden da (mal wieder) kurzschlüssig alle Begriffe verwechselt. Als ob das Hineinbringen von Zeichnungen und Bildern in diese Büros, an diese Arbeitsplätze, als ob es das schon gewesen wäre … (Konfrontation mit z.T. modernster Kunst, das müßte doch Diskussionen geben … ah, sehr interessant … etc. etc.).

Und dann: Wird auf diese Weise nicht die wesentlichste Diskussion überhaupt verhindert: Transformation des menschlichen Bewußtseins, ein neuer Arbeitsbegriff, ein neuer Geldbegriff, ein neuer Kunstbegriff letzten Endes … Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich denke, daß in diesen Türmen der Macht in Frankfurt sicher großartige Kunstwerke zu finden sind. (Von Beuys bis Dokoupil meinetwegen.) Und dann schau ich in den Fernseher (in diesem Fall fast täglich, und fast täglich berichtet man mir aus Südafrika …).

Und ich muß leider wieder feststellen, daß dort mit tatkräftiger Unterstützung deutscher Firmen (auch der DEUTSCHEN BANK) ein politisches System am Leben erhalten wird, welches tagtäglich die elementarsten Menschenrechte meiner schwarzen Brüder und Schwestern mit Füßen tritt. Und schlimmer noch: Jeder, der noch Augen hat zu sehen, der noch Ohren hat zu hören und ein Herz zum Empfinden, weiß; weiß vielleicht gerade als Deutscher, dem Schuld und Mitleid keine peinlichen Begriffe sind, sondern ein innerer Auftrag, er weiß, daß das weiße Unterdrücker- und Mördersystem des Herrn Botha seine letzte Chance verspielt hat. Da…

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