Ausstellungen: Freiburg · von Martin Engler · S. 425
Ausstellungen: Freiburg , 2001

Martin Engler

Olaf Breuning: »Apes«

Die Metaphern des Affen

Kunstverein Freiburg im Marienbad, bis 19.8.2001
Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, 6.9. – 4.11.2001

Der Kunstverein wird zur Bühne und der Besucher – mit dem Rücken zur Wand – zum passiven Beobachter, wenn Olaf Breuning, die Regie übernimmt. Aus unzähligen Schubkarren dunkler Erde, aus Kunstfell, wild blinkenden Lichtorgeln, trockenem Gehölz und Geäst entsteht ein streng symmetrisch organisiertes, die ganze Länge des Ausstellungsraums besetzendes Natur-Triptychon, in dessen Gesprenge sich ein Menschenaffe klammert. Seine Kollegen kauern derweil um künstlich flackernde Lagerfeuer und lassen ihre Äuglein buntleuchtend funkeln. Überhaupt steht die frontal einansichtige Komposition in denkbar großem Gegensatz zu dem wummernd grunzenden, dynamisch sich steigernden Soundtrack und den raumgreifenden Schattenwürfen, die Gehölz und Betrachter, Raum und Installation ineinander blenden. Die fünfminütige Endlosschleife aus Ton und Licht beschleunigt die Exkursion ins Naturkundemuseum zur bedrohlich funkelnden Geisterbahn.

Eine ambivalente Verquickung von Vorzeit und High-Tech, die allerdings bewusst ihre Inszeniertheit betont. Die Urzeitmenschen sind verkleidete Statisten, die Gorillas nur ausgestopfte Kostüme, die ihre banale Füllung offen legen, und die um die bedeutungsschwanger aufglimmenden Rotlichtlampen drapierten Äste werden erst durch die reichlich wabernde Nebelmaschine zur steinzeitlichen High-tech-Errungenschaft. Was hier als verführerische Oberfläche präsentiert wird, nährt sich aus höchst unterschiedlichen visuellen Quellen und mischt ohne Unterlass „High“ und „Low“. Natürlich ist das alles nicht wirklich ernstgemeint, sondern immer ironisch gebrochen: Das Fremde, Besorgniserregende wird dabei erstaunlich vertraut, wenn das fotografisch-installative Finish stimmt.

Was der dreißigjährige Shooting-Star der Schweizer Kunstszene hier bietet sind in ihrer Perfektion hybride Inszenierungen, die sich trotz aller Fremdheit fast nahtlos in das…

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