Ausstellungen: Los Angeles · von Frank-Alexander Hettig · S. 423
Ausstellungen: Los Angeles , 2000

Frank-Alexander Hettig

Paul McCarthy

The Museum of Contemporary Art, 12.11.2000 – 21.1.2001
New Museum of Contemporary Art, New York, 22.2. – 13.5.2001

Da gibt es dieses Etwas über den Gebrauch einer Fantasiefigur, wie sie unsere Kultur durchdringt … Durch den Gebrauch dieser Charaktere, wie Heidi, weise ich darauf hin, dass diese Figuren Fabrikationen sind“.

Wahnvorstellungen, Identitätsproblematik und Grundfragen der existentiellen und gesellschaftlichen Wirklichkeit werden durch Paul McCarthy in unverhohlener Deutlichkeit und erbarmungslos drastischem Sarkasmus gezeigt. Alles wird umgedreht und schonungslos dargestellt. Idealistische Vorstellungen und die damit gebräuchlichen didaktischen Auf- und Vorführungen werden durch den Kakao oder in seinem Fall durch den Ketchup und Mayonnaise gezogen. Edukative Programme wie Kochserien, die man im Fernsehen sieht, oder andere pädagogische Auftritte werden durch Paul McCarthy aktionistischen Charakter und durch seine Vorliebe für alles Spontane und Improvisierte als eine lustvoll grimmige Übernahme des Gebräuchlichen ins Paradoxe und Makabere versetzt. Was erst als Parodie erscheint wird zuletzt ein mit Soßen durchtränktes Massaker, das im unkontrollierten Chaos, Gewalt und Lust endet.

Aber auch Tabus die durch die amerikanische Fernsehkultur verleugnet werden, stellt McCarthy verroht dar. Immer gibt es diese Diskrepanz zwischen dem edukativen „Wie“ und dem realistischen „So“.

Während den 70ern und frühen 80ern standen Zeichentrickfilmcharaktere, Crossdressing und B-Filmeffekte in seinen Performances im Mittelpunkt. Seine Verweise auf Kinderfernsehen und Märchen formulierten seinen Fokus bezüglich Sex und Gewalt innerhalb der Kindheit und in Familiensituationen, aber auch nach Selbsterfahrung und Fragen nach geschlechtlicher Identität und welche Rolle man spielt, standen hierbei im Vordergrund. Spielzeugobjekte, Plastikprothesen, Haushaltsartikel und amerikanische Klischee-Lebensmittel wie Hot Dogs, Hamburger, Ketchup…

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