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Ausstellungen: Köln · von Stefan Römer · S. 387 - 387
Ausstellungen: Köln , 1994

Stefan Römer
Peter Zimmermann

»Temporäre Architektur« und »Plakatwand«
Galerie Grunert, Köln,5.11.1993 – 13.1.1994, 18.3. – 23.4.1994

Temporäre Architektur – Präsentation von Schachteln“ nennt Peter Zimmermann seine Rauminstallation, die beschriftete Kartons in Regalen präsentiert. Der darauf befindliche Text läuft linear über alle Kartons, die kein Produkt enthalten, und imitiert in typographischer und graphischer Gestaltung Warenlogos: Auf das Wiedererkennen folgt die Unterscheidung vom Vorbild in der Konsumwelt.

Da der Betrachter im Leseprozeß mit einer theoretisch-konzeptuellen Reflexion von Form, Inhalt und Rezeption konfrontiert wird und darin veranlaßt wird, seine eigene Funktion zu relativieren, beobachtet er sich selbst innerhalb der Installation in diesem Prozeß: „Sein Verhältnis zum Betrachteten – bisher durch die Festlegung des Fluchtpunktes bestimmt – ändert sich in dem Maße, wie er sich über geeignete Schnittstellen selbst in den Repräsentationsprozeß einschalten kann.“

Während Warhol (z.B. Brillo boxes) populäre, kulturspezifische Waren- und Personenklischees seriell präsentierte, die bereits durch die Massenmedien geprägt sowie trivialisiert waren, bedient sich Zimmermann mimetisch nur der Erscheinungsweise, der Corporate identity, der jeweiligen Marke. Als „Inhalt“ erscheint ein Text, der durch seine selbstreflexive Anlage, die Kategorie „Form-Inhalt“ ad absurdum führt. Das künstlerische Objekt wird als Untersuchung verstanden, die erst durch ihr Verhältnis zum Betrachter und zu seinem Umraum funktioniert, in dem sie als Text manifest wird. Da diese Installation wie ein Messestand ihren eigenen Raum innerhalb jedes Ausstellungsraumes selbst definiert, bezieht sie in ihrer Rezeption jeweils aufs neue ihre Rahmenbedingungen mit ein.

Gleichzeitig reduziert Zimmermann sein Kunstobjekt auf die gebräuchlichste Form der Verpackung: den Karton. Er veräußert damit dessen Kunstwerkstatus als Ware. Der Karton besitzt…



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