Ausstellungen: Münster · von Claudia Posca · S. 390
Ausstellungen: Münster , 2001

Claudia Posca

Plug-In – Einheit und Mobilität

Westfälisches Landesmuseum Münster, 2.6. – 29.7.2001

Auf einem skurrilen Wohn-Catamaran der Marke visionärer Eigenbau gleitet in dem 1995 produzierten Kinofilm „Waterworld“ ein namenloser Mariner (Kevin Costner) auf der Suche nach Dryworld über die sintflut-überflutete Welt. Ein zartes Grünpflänzchen ist an Bord. Einige andere Erinnerungsstücke der untergegangenen Welt auch. Doch trockenes Land, mit der Möglichkeit an einem ausgewählten Ort Heim- und Arbeitsstätte aufzuschlagen, gibt es nicht mehr. Nurmehr wenige andere Schwimm-Container sind auf den Wassern unterwegs, daran der mysteriöse Abenteurer von Zeit zu Zeit andockt.

Was tatsächlich aber nach der Katastrophe für die Menschen geblieben ist, ist mit Blick auf das Mariner-Gefährt nicht anders als mit der Rede von einer schwimmenden Haus-Monade für umherschweifende Nomaden auf einem strömenden Ozean zu beschreiben – zwar autark im Zustand von Mobilität und Selbstbestimmtheit, aber dennoch nicht gewonnen aus selbstbestimmter Abgrenzung oder gewollter Individuation, sondern von einer katastrophal politischen Entwicklung mit fatalen Folgen zwangsverordnet diktiert. (was im Film nicht näher erläutert wird).

Aus der Traum also von Freiheit und Abenteuer wie er sich üblicherweise mit einem Leben unterwegs auf einem mobilen Untersatz verknüpft. Noch mit dem Wohn-Mobil oder dem Campingbus hatte man ihm nachhängen können.

Stattdessen aber zeigt das Filmepos (wenngleich romantisch verklärt) die Kehrseite des Mythos vom autarken Reisemobil respektive einer mobilen Skulptur, als die man den Wohn-Catamaran in „Waterworld“ mindestens ebenso gut beschreibt.

Aus dieser Spannung heraus – zwischen Sehnsucht, Traum und ihrer beider Brechung – könnte man des Mariners „Überlebensinsel“ als einen cineastischen Prolog zu einer höchst faszinierenden, von Ortrud Westheider und…

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