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Ausstellungen: Kleve · von Christiane Fricke · S. 388 - 389
Ausstellungen: Kleve , 2001

Christiane Fricke
Richard Long

Museum Kurhaus Kleve, 24.6. – 23.9.2001

Immerhin, es war ein schöner Traum; auch wenn er sich mindestens so schnell verflüchtigte wie die von Künstlerhand gesetzte Markierung in der Landschaft: die Erwartung, die junge Avantgarde der späten 60er-Jahre könne mit Kurzlebigem wie Prozesskunst, Body Art oder Land Art die Gesetze des Kunstmarkts außer Kraft setzen. Die Künstler selbst besorgten das jähe Ende dieses Traums. Mit zum Teil ausgefeilten Strategien machten sie ihre vergänglichen und mitunter weit außerhalb der Städte realisierten Werke kommunizierbar und verwertbar.

Keinerlei Schwierigkeiten hiermit hatte bekanntlich Robert Smithson, Erfinder eines raffinierten „site“-„nonsite“-Konzeptes, das die Arbeit drinnen, im Museum oder in der Galerie als zugehörigen Teil der Arbeit vor Ort begreift. Dennis Oppenheim rettete sich in überraschend großformatige, schön anzusehende Fotocollagen, die Schwarzweiß- und Farbfotografien, Luftaufnahmen, Landkarten und maschinenschriftliche Informationen zusammenführen. Sie sind zurzeit in einer Werkschau des Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst zu besichtigen.

Einen wieder anderen Weg schließlich wählte Richard Long, der gegenwärtig mit einer größeren Schau das Museum Kurhaus in Kleve bespielt. Der Künstler ist mindestens die Hälfte des Jahres auf Wanderungen durch die abgelegensten Weltgegenden unterwegs, wo er stellenweise geometrische Zeichen aus Stein, Schwemmholz oder Fußspuren hinterlässt. Grafisch anspruchsvoll gestaltete Schwarzweißfotografien und Textarbeiten künden von seinem einsamen Tun, bilanzieren Distanz und Dauer, Schrittzahl, Nächte und halten seine archetypisch anmutenden Hinterlassenschaften fest.

Und als hätte Long Erbarmen mit dem Publikum, das vor den Fotoarbeiten die Erhabenheit seiner einsamen Zeichensetzungen herbeisehnt, kehrt er in regelmäßigen Abständen immer wieder ins Herz der Zivilisation, in die Museen zurück. Dann…


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von Christiane Fricke

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