Kommentar , 1992

Jürgen Raap

Politikum Schloss Nörvenich

Arno-Breker-Renaissance zur Unzeit

Der gescheiterte Postkartenmaler Adolf Hitler war des Lobes voll über die pathetisch aufgeblasenen Herrenmenschenskulpturen von Arno Breker: „Sie gehören zu dem schönsten, was in Deutschland je geschaffen wurde!“ Des „Führers“ Kunstverstand war wohl auch wegweisend für die Interpretation von Brekers Monumentalkitsch in der „Kölner Zeitung“ vom Juli 1940: „In der Wahl des Motivs und des kraftvoll-dynamischen Körpertypus, der dem Menschenideal unserer Zeit Ausdruck gibt, zeigt sich, welch sinnfälliges Bündnis Kunst und Politik unter dem Mäzenat von Staat und Partei eingegangen sind“.

Es ließen sich weitere Zitate mit ähnlicher Diktion ausgraben – ohne Zweifel verdient Arno Breker zu Recht die Bezeichnung „Nazi-Bildhauer“. In eine kunsthistorische Reihe mit Despiau oder Maillol gehört die dermaßen politisch-ideologisch belastete Kunst eines Kostgängers des SS-Staates daher wahrlich nicht: Breker hatte es nämlich verstanden, die seinerzeit zeitgemäße Strömung eines Neo-Neo-Klassizismus zu reinem „Fascho-Kitsch“ (Sebastian Zabel) umzumünzen: seine marmornen oder bronzenen Muskelpakete mit Schwert und Fackel trugen so eindeutige Titel wie „Partei“ oder „Wehrmacht“.

Als die als „entartet“ diffamierten Künstlerkollegen sich zur inneren oder äusseren Emigration gezwungen sahen, kehrte Breker 1934 aus Paris nach Deutschland zurück. Die Nazis verhätschelten ihn mit einer Villa und einem riesigen Atelier mit großzügigen Arbeitsbedingungen, als Hilfskräfte wurden in den Kriegsjahren sogar ukrainische Zwangsarbeiter abkommandiert. Nur ein bodenloser Zyniker würde behaupten wollen, denen sei es doch zwischen Brekers Gipsentwürfen gewiß besser ergangen als in einer Munitionsfabrik.

Freilich schaffte es der zeitweilige Vorsitzende der Reichskulturkammer (und als solchen trifft ihn direkt oder indirekt Mitschuld an der Verfolgung der Avantgarde) nach 1945 mit…

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