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Kommentar · von Ingo Arend · S. 457 - 457
Kommentar , 1997

Ingo Arend
Profane Andacht

Am Ende des Kunstjahrs 1997: Kein Ende der Kunst

Nichts ist unsterblicher als die Erzählung vom Ende der Kunst. Noch vor ein paar Jahren schien dieses Ende wieder einmal nahe. Schwer hing Francis Fukuyamas These vom Ende der Geschichte über allen Häuptern. Schien nicht mit diesem Wiedergänger Hegels auch dessen These vom Ende der Kunst bestätigt? Elegisch memorierte Boris Groys allerorten seine Thesen vom Ende des Museums, jetzt, wo der alte Nationalstaat, den es in seinen heiligen Hallen zu repräsentieren galt, und eine linear fortschreitende Geschichte an ihr Ende gekommen seien. Über soviel sorgenvolle Metaphysik läßt sich nach dem mehr als proppenvollen Kunstjahr 1997 nur lächeln. Wenn es etwas gezeigt hat, dann, daß es kein Ende der Kunst gibt.

Quantität ist natürlich nicht gleich Qualität oder gar Innovation. Und der unendliche Boom immer neuer Museumsneugründungen mit immer größeren Besucherrekorden, immer gigantischeren Kunstevents, von der documenta, dem Münsteraner Skulpturenhappening über die Guggenheim-Kathedralen in Bilbao und Berlin bis hin zu der exzellenten, neuen Berliner Kunstmesse art forum, die dem konkurrierenden Kölner Standort den Garaus machen soll, kann auch nicht über die latente Kunstfeindlichkeit hinwegtäuschen, die hier und da noch immer schlummert. Erst vor ein paar Jahren brachte ein Aufstand kleinbürgerlichen Kunstgewissens die Anschaffung von Joseph Beuys Werk „Aggregat“ für den Bonner Bundestag zu Fall. Für das andere Extrem steht die elitäre Berliner Messe. Mit einer Euphorie sondersgleichen wird sie seit zwei Jahren zum ästhetischen Heilsbringer der immer noch wackeligen Metropole Berlin emporstilisiert. Die Auftaktausstellung „Pariser Visionen“, der „Serien“ von Robert Delaunay…


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