Ausstellungen: München/Münster · von Michael Hauffen · S. 382
Ausstellungen: München/Münster , 2000

Michael Hauffen

Rodney Graham

»some works with sound waves, some works with light waves and some other experimental works«

Kunstverein München, 16.6. – 13.8.2000
Kunstverein Münster, 15.9. – 29.10.2000

Der erste Eindruck von den Arbeiten Rodney Grahams dürfte für diejenigen BetrachterInnen, die mit ihrer inneren Struktur nicht vertraut sind, eher abschreckend sein. Sein Werk bedient das System einer ästhetischen Kultur, deren Spektrum vom Spektakulären bis zum Dekorativen reicht, ebenso wenig wie den Wunsch nach Analyse und Artikulation sozialer Konflikte. Erst durch die Rekonstruktion der Zusammenhänge, über die seine Arbeiten als konkrete Punkte eines dichten Systems von Kommentaren, Anspielungen und Hinterfragungen erkennbar werden, ergibt sich das Bild eines autonomen diskursiven Prozesses, der vielschichtige Irritationen auslöst.

Dennoch handelt es sich hier nicht um einen Rückzug in exklusive Selbstbezüglichkeit. Konform mit der Entwicklung konzeptueller Strategien, durch deren Schule Graham gegangen ist, wendet sich sein Interesse anderen Systemen zu, die auf jeweils verschiedene Art im Verhältnis der Nachbarschaft zu dem stehen, was im Kunstsystem seinen Ort hat. Nachbarschaften machen es nicht immer leicht, genaue Grenzen zu ziehen. Aber sie ermöglichen einen wechselseitigen Transfer, über den sich ungewohnte Aspekte ergeben können, über die also vor allem ein Reflexionsprozess in Gang gehalten wird, der der drohenden Erstarrung in hermetischer Abgeschlossenheit entgegenwirkt.

Gleich bei der Arbeit Complications of Payment (1996), die in der Münchner Ausstellung den größten Raum einnimmt, wird ein System von Beziehungen fokussiert, das es erlaubt, derartige Anomalien zu beobachten. Es handelt sich um eine Analyse der Geldtransfers, die sich zwischen Sigmund Freud und einigen Personen aus seiner Umgebung im Zusammenhang…

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