Ausstellungen: Wolfsburg · von Rainer Unruh · S. 342
Ausstellungen: Wolfsburg , 2000

Rainer Unruh

Roy Lichtenstein: Spiegelbilder

1963 bis 1997

Kunstmuseum Wolfsburg, 16.9.2000 – 21.1.2001

Die American Beauties aus den 60er Jahren, die so clean und sexy wirken, als würden sie mit ihrem strahlendem Lächeln für eine Zahnpastareklame posieren, fehlen auch in dieser Ausstellung nicht. Aber sie sind nicht das eigentliche Thema. Diane Waldman, Kuratorin der großen Lichtenstein-Retrospektive, die 1994 in Hamburg und München zu sehen war, hat sich diesmal auf einen einzigen Aspekt im Werk des Künstlers konzentriert. „Reflections/Riflessi“, so der ursprüngliche Titel der Schau, die nach Rom nun Station in Wolfsburg macht, ist vielleicht die präzisere Bezeichnung dessen, um was es Lichtenstein geht, als die deutsche Übersetzung „Spiegelbilder“. Denn die Vorliebe des Pop-Art-Pioniers für die schematische Darstellung von Menschen und Dingen in Comics oder Werbeprospekten speiste sich nicht nur aus einer Lust am Trivialen. Sie war, wie Waldman in ihrem souverän argumentierenden Beitrag zum Katalog hervorhebt, von Anfang von begleitet von einer kunsthistorisch informierten Reflexion über Aufgabe und Funktion der Kunst in der Gegenwart.

Die Ausstellung beginnt mit Werken aus den frühen 60er Jahren. Man wird Zeuge, wie Lichtenstein das Problem der Darstellung von Spiegelungen im Medium seiner Bildsprache umkreist, wie er Antworten formuliert, variiert und verwirft. „Girl in a mirror“ (1964), die einzige Emaille-Arbeit in der Schau, zeigt ein weizenblondes Mädchen, das sich im Handspiegel betrachtet und lacht. Man sieht es so, wie Lichtenstein es während dieser Phase seines Schaffens auch ohne Spiegel gemalt haben würde, mit roten, auf Farbbänder reduzierten Lippen und einer kantigen, wie aus Blech gestanzten Frisur, also ganz in der…

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