Ausstellungen: Berlin · von Peter Herbstreuth · S. 358
Ausstellungen: Berlin , 1998

Peter Herbstreuth

Sabine Hornig

Wiensowski + Harbord, 30.10. – 1.11.1998

Sie gehört zu den Künstlern, die für Ausstellungshäuser verloren sind, die ihnen nur Wände als Hängeflächen bieten, weil Sabine Hornig Lage und Gelegenes, Raum und Bild zu einem komplexen Gefüge verschränkt. Ihr bisheriges Werk ist ein variantenreiches Unternehmen, flüchtige Bilder in ihren alltäglichen Erscheinungen (auf der Straße als Fragment einer Fassade oder eines verspiegelten Schaufensters, im Haus als Blick aus einem Fenster oder zu einer Tür hinaus) durch architektonische Maßnahmen in Distanz zu bringen, um den beiläufigen Blicken im Alltag die Merkwürdigkeit des Sichtbaren zurückzugeben.

Da in bisherigen Arbeiten die Mittel der Distanzierung ziemlich aufwendig waren, konzentrierten sich Interpreten auf die dominierenden Architekturbezüge und gaben diesen eine Bedeutung, die den zentralen Gedanken an das Bild als solches vernachlässigten. Doch Hornig hatte keine Furcht mißverstanden zu werden und beobachtete die Rezeption ihres Werks wie eine Ethnographin die Riten eines Debattierklubs. Sie erzählt oft und gerne von Flann O’Briens Roman „Der dritte Polizist“, in dem ein Mann in einem Haus ein Licht brennen sieht und fasziniert davon in diesen Raum hinein will, aber bei der Suche im Innern des Hauses durch alle Flure und Etagen nur auf dunkle, leere Zimmer stößt. Und als er hinausgeht und sich umwendet, sieht er das Fenster wieder hell erleuchtet. Die Distanz ist nicht überwindbar.

Er sieht das Bild als einen Ort, der nicht betreten werden kann. Die Quelle des Lichts bleibt ein Rätsel. Deshalb ist der Weg zum Bild und die Bewegung um das Bild herum ebenso bedeutungsstiftend wie das Licht…

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