Titel: 49. Biennale von Venedig · von Michael Hübl · S. 280
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Singapur

Salleh Japar, Chen KeZhan, Matthew Ngui, Suzann Victor

Kommissare: Kwok Kian Chow

Stellvertretender Kommissar: Paivi Tirkkonen

Kuratoren: Joanna Lee, Ahmad Mashadi

Koordinator: Paolo De Grandis

Singapur und die Serenissima: Das ist die epochenübergreifende Begegnung zweier Zentren merkantiler Machtpolitik. Unabhängig vom jeweiligen historischen Kontext weisen die beiden Stadtstaaten einige Analogien auf: ihre Lage am Meer, die effiziente Konzentration auf kleinem Raum bei gleichzeitig weit gespannten, ebenso einflussreichen wie finanzkräftigen Aktivitäten, die Spezialisierung auf hochwertige Produkte, die Synthese unterschiedlicher kultureller Einflüsse. Selbst in der Symbolik und Heraldik zeigen sich Ähnlichkeiten: Was für Venedig der Markuslöwe ist für die Republik am Südzipfel der Malaiischen Halbinsel der altindische Name – Singapur bedeutet „Löwenstadt“. In einzelnen Punkten ist das südostasiatische Gemeinwesen heute das, was Venedig einmal war, und es sieht wie ein exorzistischer Akt aus, wenn gleich im ersten Raum der Schola di Santa Apollonia, wo vier Künstler aus Singapur ausstellen, ein Ring feiner Scherben auf dem Boden liegt: Relikte eines hohen Lusters, der als armseliges, zerschmettertes Glasskelett im Raum hängt. Man könnte an einen elektronisch gesteuerten Ritus denken, der das Alte austreiben soll: Murano is out, High Tech is in. Aber die rubinroten Objekte, die mit Metallstangen am Gebälk der Halle befestigt sind und die offenbar durch regelmäßiges Ausschwingen die Zerstörung bewirkt haben, sind ebenfalls Leuchter, die allerdings nicht aus venezianischen Manufakturen stammen, sondern aus einem Antiquitätenladen in Sydney, wo Suzann Victor die kleinen, kompakten Prachtstücke erworben hat. Sie wurden in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts produziert und galten einmal als Ausdruck gepflegten angelsächsischen Lebensstils – draußen in…

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