Titel: 48. Biennale Von Venedig · von Michael Hübl · S. 92
Titel: 48. Biennale Von Venedig , 1999

LA BIENNALE – GIARDINI

Skandinavien

EIJA-LIISA AHTILA, KNUT ÅSDAM, ANNIKA VON HAUSSWOLFF

KOMMISSAR: JOHN PETER NILSSON

PAVILLON: SVERRE FEHN

Einsamkeit ist ein Schlüsselbegriff der zeitgenössischen Kunst Nordeuropas, genauer: der drei Länder, die einen geographischen Block bilden, die sich durch historische Erfahrungen und kulturellen Konsens nahestehen und die diesem, nicht ganz spannungsfreien Vermächtnis auf der Biennale Genüge leisten, indem sie sich in einem gemeinsamen Haus präsentieren. Innerhalb dieser Trias nimmt Schweden den Platz des Landes ein, in welchem der „ensamhet“ nochmals besondere Bedeutung zukommt. – Als moderner Klassiker, der diesen Zustand seelisch-sozialer Isolation in Bilder faßt, gilt Ingmar Bergmans Film „Tystnaden“ (Das Schweigen, 1962). Obgleich dort Merkmale und Motive aufgeführt werden, die für die Einsamkeitserfahrung im technisch-rationalen Wohlfahrtsstaat kennzeichnend sind (wie kommunikative Verarmung oder Sexualität als Spiegel der Entfremdung in einer ‚kalten‘ Gesellschaft), so lassen sich doch die Arbeiten jüngerer Künstler nicht mit Bergmans Ästhetik vergleichen. Es fehlt der existentialistisch-nachromantische Grundton, der bei Bergman zunehmen ist. In der neuen nordischen Kunst, die auf den psychosozialen Komplex Einsamkeit eingeht, herrscht weitgehend unsentimentale Nüchternheit mit einem ausgeprägten, mitunter ironisch abgepufferten Sinn für die Abgründe des Banalen. Wenn etwa Annika von Hausswolff einen Mann und eine Frau derart Rücken an Rücken posieren läßt, daß sie mit ihren gespreizten Beinen ein X ergeben, dann hat diese aufwendige Verrenkung mit den konkret-konzeptuellen Raumerkundungen der 70er Jahre, wie sie beispielsweise ein Franz Erhard Walther praktizierte, so gut wie nichts gemein, denn entscheidend ist die narrative Komponente. Das Paar- nach Auskunft des Titels „Mom and Dad Making Out“ (1999) – zeigt sich halb…

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