Titel: 48. Biennale Von Venedig · von Michael Hübl · S. 80
Titel: 48. Biennale Von Venedig , 1999

LA BIENNALE – GIARDINI

Polen

KATARZYNA KOZYRA

KOMMISSAR: ANDA ROTTENBERG

KURATOR: HANNA WROBLEWSKA

Katarzyna Kozyra hat sich mit ihrer Arbeit immer Extremen gestellt. „Ich wollte das unterste Niveau sehen – Töten. Die Tatsache, daß du dir die Hände schmutzig machen mußt, daß es stinkt, daß du in den Gedärmen herumwühlst.“1 Das Statement betrifft „The Pyramid of Animals“ (1993), für die sie eigens ein Pferd kaufte, um es anschließend einschläfern und ausstopfen zu lassen. Katarzyna Kozyra setzt mit ihrer Arbeit dort an, wo die Lebenswirklichkeit ungeschönt und rüde als Leiden, Schmerz, Zerstörung Platz greift. Siehe beispielsweise „Olympia“ (1996): Die Folgen einer Chemotherapie, der sich Kozyra unterziehen mußte, reflektiert sie anhand von Manets skandalträchtigem Aktgemälde aus dem Jahre 1863. „Ihr Körper hat die fahle Farbe einer im Leichenschauhaus ausgestellten Leiche“2, schmähte die Pariser Kritik seinerzeit das Bild, das nun die krebskranke Künstlerin mit sich selbst als Modell nachgestellt hat.

Der bloßen Schockwirkung, wie sie die Filmindustrie mit großem technischen Aufwand produziert, entzieht Kozyra dadurch den Boden, daß sie allen Arbeiten ein gleichermaßen versöhnliches wie verstörendes Moment von Schönheit beläßt. In „The Blood Ties“, 1996, unter dem Eindruck des Krieges im ehemaligen Jugoslawien entstanden, exponiert sie sich und ihre Schwester nackt auf einem roten Kreuz und auf einem roten Halbmond. In ungeschützter Offenheit liegt die Schwester da. Ein Bild der Unschuld. Noch das gelöste Haar signalisiert: Ich habe mich jedweder Deckung entledigt. Erst langsam nimmt man wahr, daß dieser Körper bereits verletzt wurde: Das rechte Bein der jungen Frau ist bis zum Knie amputiert. Der Körper als Austragungsort biologischer…

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