Titel: 48. Biennale Von Venedig , 1999

LA BIENNALE – GIARDINI

Spanien

ESTHER FERRER, MANOLO VALDÉS

KOMMISSAR: DAVID PEREZ

PAVILLON: JOAQUIN VAQUERO PALACIOS

Spanien verweist indirekt auf die Jahrzehnte des Faschismus. Mit Esther Ferrer und Manolo Valdés wurden zwei Künstler ausgewählt, die während der Diktatur außerhalb des offiziellen Kunstbetriebs aktiv waren. Esther Ferrer: „Trotz der Schwierigkeiten für die Künstler, in Franco-Spanien zu arbeiten, machten wir alles mögliche, aber nie in den offiziellen Circuits. Sie wollten uns nicht, und wir wollten sie noch weniger“1. Ferrer, geb. 1937, gehörte seit 1967 der Gruppe ZAJ an, die den ästhetischen Maximen von John Cage nahestand. Valdés, fünf Jahre jünger, hat 1964 zusammen mit Joan A. Toledo und Rafael Solbes die Gruppe Equipo Crónica gegründet, die so etwas wie die „Verteidigung der Moderne durch die Ablehnung der Avantgarde“2 betrieb. Valdés wird der „appropriation art“ zugerechnet. Originalität als modernistische Maxime lehnt er ab, die Formulierungen der klassischen Moderne nutzt er als Vorwand für eine selbstreferentielle Malerei; daher Bildtitel wie „Matisse como pretexto: Retrato de Lidia“ (1999) oder „Picasso como pretexto no VII“ (1999). Valdés, der seit Anfang der 70er Jahre mehrfach in der Berliner Galerie Poll, einer Hochburg des Kritischen Realismus, ausstellte3, folgt in seinen meist gegenständlich-figürlichen Sujets einer dekorativ veredelten, dunkel schimmernden Ästhetik des Autochthon-Poveren.

Wird hier das autonome Kunstwerk beschworen, so inszeniert Esther Ferrer mit ihrer Biennale-Arbeit „En el marco del Arte“ das Wechselverhältnis zwischen künstlerischer Manifestation, historischem Erbe und aktueller Rezeption. Ein Saal des spanischen Pavillons wird durch einen schweren, opulent vergoldeten Barockrahmen geteilt. Mit der Schauseite weist er zu einer komplett verspiegelten Wand. Auf ihr…

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von Michael Hübl

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