Titel: 48. Biennale Von Venedig , 1999

LA BIENNALE – GIARDINI

Russland

VITALY KOMAR & ALEXANDER MELAMID, SERGEY BUGAEV

KOMMISSAR: KONSTANTIN BOKHOROV

KURATOR: OLESJA TURKINA, JOSEPH BACKSTEIN

PAVILLON: ALEKSEJ V. SCUSEV

Als Komar & Melamid auf der ‚d 8‘ den „hypermodernistischen Zwiespalt unserer Zeit“1 in ihrem Polyptychon „Yalta 1945 – Winter in Moscow 1977“ (1986-87) offenlegten, führten sie ihn mit einem Mosaik aus sowjetisch gefärbter Altlast und eigener Westsicht vor Augen. Die zehn Jahre, die seit der Emigration vergangen waren, hatten Spuren hinterlassen, und so durchdrangen sich die Reminiszenzen an ein totalitäres System mit den Erfahrungen im fortschreitenden Kapitalismus. Dessen grundlegende Eigenschaft, Rohstoffe, Industrieprodukte, Gefühle oder Kunstwerke durchweg gleich zu behandeln, das heißt: als Ware zu handeln, fand ihren Niederschlag im scheinbar willkürlichen Durcheinander aus insgesamt 57 quadratischen Einzelbildern, die mal im Stile des sozialistischen Staatsrealismus gehalten waren, mal als Paraphrasen auf den avancierten Modernismus des Westens oder im Habitus ordinärer Kinomalerei daherkamen. Die spätere Auflösung der UdSSR und die Absorption ihrer kulturellen und symbolischen Überbleibsel durch eine floatende ideologische Globalstruktur waren in der Arbeit von Komar & Melamid vorweggenommen.

Sergey Bugaev Afrika, zwei Jahrzehnte jünger als das Künstlerduo, hat den Umkehrschub in der Geschichte Rußlands aktiv miterlebt. Bereits in den frühen 80er Jahren schließt sich Bugaev in Leningrad alternativen Künstlergruppen an. 1988 lernt der 22jährige John Cage kennen, dem er eine nachdrückliche Änderung seiner Kunstauffassung verdankt. 1991 ist er einer der Mitherausgeber der neu gegründeten, interdisziplinär angelegten Zeitschrift „Kabinet“, die es sich zur Aufgabe macht, den rapiden sozialen Wandel in der Ex-UdSSR zu beschreiben. 1993 hält sich Bugaev erstmals in einem psychiatrischen Krankenhaus…

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von Michael Hübl

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