Titel: 48. Biennale Von Venedig , 1999

LA BIENNALE – GIARDINI

Tschechien

VERONIKA BROMOVÁ

KOMMISSAR: OLGA MALÁ

KURATOR: KAREL SRP

PAVILLON: OTAKAR NOVOTNY

Der Körper gehört seit einigen Jahren wieder zu den zentralen Themen der Kunst1. Anstoß zu dieser Auseinandersetzung gaben nicht zuletzt die Bedrohung durch Aids, die Virtualisierung im Cyberspace und das biologische Veränderungspotential der Gentechnik. Das Skandalon eines durch HIV beschleunigten Verfalls war ebenso Gegenstand künstlerischer Reflexionen (und politischer Aktionen) wie die Aussicht, daß der menschliche Körper nur noch Verfügungsmasse laborgesteuerter Manipulationen sein könnte. Andererseits wird der Körper auch als letzte, feste und greifbare Gewißheit des medial dissoziierten Subjekts gesehen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich Veronika Bromová, wenn sie die Wände der tschechischen Abteilung, die dem vormals tschechoslowakischen Pavillon als Haus im Haus eingestellt ist, mit Großfotos privater Performances bestückt. Sie zeigen den zu einer Abfolge von Wülsten deformierten Körper der Künstlerin, die sich für ihre Arbeit ein Bein, Bauch und Brüste mit Klebeband abgebunden hatte. Zusammen mit kinetischen Objekten und mit der Projektion eines Videofilms, den Veronika Bromová 1998 während eines New York-Aufenthalts im Rahmen des International Studio Program drehte, ergibt sich eine Szenerie, die zugleich cool und beklemmend, sinnlich und entfremdet, hautnah surreal und albtraumartig realistisch wirkt. Sie ist Ausdruck des Urmotivs, das der Arbeit von Veronika Bromová zugrunde liegt: Einsamkeit, „die paradoxerweise aus der Empfindung resultiert, daß keine Grenzen mehr zu überschreiten sind“2, und die aus dem Gefühl erwächst, daß Entäußerung und Insichgekehrtsein, Transzendenz und Verinnerlichung nicht mehr zu unterscheiden sind, weil sie nurmehr einen latenten Dauerzustand darstellen.

Anmerkungen:
1.) Eine umfassende Diskussion des Themas mit besonderer Berücksichtigung möglicher…

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von Michael Hübl

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