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Titel: Texte zur Fotografie · S. 274 - 277
Titel: Texte zur Fotografie , 1990

Claudia Kühner
Statt Rembrandts Fotos sammeln

»FOTOGRAFIEN SAMMELN HEISST DIE WELTSAMMELN.«
SUSAN SONTAG

Immer mehr Menschen entdecken die Fotografie als Sammelobjekt, in Amerika schon lange, jetzt auch bei uns. Hier tut sich nicht nur ein kunsthistorisch interessantes Gebiet auf, mit der Nachfrage steigen auch die Preise. Für einzelne Spitzenobjekte werden inzwischen sechsstellige Dollarsummen bezahlt, und der Handel mit fotografischen (Meister-) Werken hat sich zu einem lukrativen Nebenzweig des Kunstmarktes entwickelt. Angesichts der steigenden Preise bekunden Museen bereits Mühe, beim Aufbau einer Sammlung noch mithalten zu können. Trotzdem kann sich das Sammeln von Fotografien auch für Leute ohne Grossvermögen lohnen, und das nicht nur materiell.

Philippe Garner von Sotheby’s in London berichtet von einem grossen Anwachsen des Umsatzes, bedeutenden Preissprüngen und -rekorden bei wichtigen Arbeiten. „Das ist“, wie er im Gespräch erklärte, „der Beginn eines neuen Marktes.“ Bei Christie’s klingt es nicht anders: Claudia Gropper, in New York für die Sparte Fotografie verantwortlich, sagt, dass dieser Markt seine „bisher stärkste“ Phase erlebe. Bei der letzten Versteigerung im vergangenen Herbst gingen 20 Lots für je mehr als 20.000 Dollar weg; ein Album des Meisterfotografen Alfred Stieglitz mit 21 Abzügen brachte den Rekordpreis von 396.000 Dollar. Eine Aufnahme von Edward Steichen (1879-1973), einem der „alten Meister“ der Fotografie, wechselte auf der letzten Auktion bei einem Schätzpreis von 30- bis 50.000 Dollar am Ende für 110.000 Dollar den Besitzer.

Beide Experten führen diese Preisentwicklung direkt auf den gegenwärtigen Boom auf dem Kunstmarkt zurück. Zum einen, weil Sammler anderer Kunstrichtungen sich der Fotografie zuwenden, eben weil dieser neue Markt an…


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