Ausstellungen: Essen · von Claudia Posca · S. 409
Ausstellungen: Essen , 1997

Claudia Posca

Stefan Pietryga – 34 Pappeln u.a.

Zeche Zollverein, Halle 5 / Schacht XI, 19.10. – 10.11.1996

Dem Wunsch, wieder Tempel bauen zu wollen – auch im übertragenen Sinn – als Ausgleich für den Verlust schwindender Stätten der Kontemplation und Erfahrung eines Höheren im technologisch hochgerüsteten Alltag, steht eine fortschrittsorientierte Gesinnung skeptisch gegenüber. Weltfremdheit, Verklärung, hoffnungsloser Romantizismus und eine anachronistische Vergangenheitsbeschwörung wirft sie jenen vor, die am Erhabenen etwas finden, was für den gestandenen Zeitgenossen endgültig vorüber ist.

Doch das tiefsitzende Verlustempfinden und die daraus resultierende Suche, neben den Bedeutungshorizonten der realen Welt auch auratische Sinndimensionen als wichtige Bestandteile des Lebens zuzulassen, ohne gleich eine Idealisierung samt Realitätsverlust zu betreiben, ist – zumindest im Bereich der Kunst – unübersehbar.

Häufig trotzen gerade weniger Apparate-euphorische Kunstwerke dem Vorurteil des Nicht-mehr-Zeitgemäßen durch ihre stoische Präsenz. Aufgrund ihrer traditionellen Produktionsweise, sei sie malerischer oder skulpturaler Natur, erscheinen sie gegenüber interaktiver Kunst, Computeranimation, Videoclip und Holographie bis hin zu den komplexen Mischformen der Neuen Medien als klassische Formulierungen: Dekonstruktivismus und Entmaterialisierung neben einer tatsächlichen Verzeitlichung des Dargestellten machen sie nicht mit, behaupten dagegen gar, wider das „offene“ Kunstwerk, den auratischen Werkcharakter.

Das zeichnet auch die auf der Essener Zeche Zollverein präsentierten Holz-, Bronze- und Eisenplastiken des 1954 in Ibbenbüren geborenen, heute in Gelsenkirchen und Essen lebenden Stefan Pietryga aus. Am Ort der 1986 endgültig stillgelegten Essener Zeche, in der Zentralwerkstatt/Halle 5 des expandierenden Kunst-und Kulturdomizils im Ruhrgebiet, wo schon Ulrich Rückriem 1992 seine documenta IX-Außenstelle eingerichtet hatte – neben Ateliers, Bühnen, Bürgerbegegnungsstätten, einem Gastronomiebetrieb, dem Design-Zentrum NRW und dem…

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