Ausstellungen: Köln , 2002

UTA MARIA REINDL

Stephan Dillemuth

„Der deutsche Jüngling“
Galerie Christian Nagel, Köln, 6.9. – 19.10.2002

Wie kannst du Bestie, du Satansbraten, Hure, Schwein“ mit diesen unfeinen Worten richtet sich Stefan Dillemuth in der Pressemitteilung für seine Ausstellung an den Kritiker. Diesem wird die „Niedertracht“ unterstellt, er wolle ihm (dem Künstler) zumuten „eine instruktive Vorlage zum Abkupfern bereit stellen“ zu müssen. Mit expressionistischer Verve und superlativischen Aufbruchsvisionen im Stil der ersten Dekaden des zwanzigsten Jahrhunderts wird dem Besucher/Kritiker ein kryptisches Künstler-Statement zu einer nicht minder kryptischen Ausstellung präsentiert. Und dort glaubt man sich förmlich in eine Wunderkammer oder in das Raritätenkabinett eines Geheimbündlers versetzt. Schwarze Folienflächen auf den Glastüren der Galerie schirmen die Blicke von Außen ins Innere ab. In einem vitrinenartigen Möbel aus knorrigen, geweißten Ästen sind kristallisierte Gartenzwerge ausgestellt, den Wurzel-Stuhl nach missratener Walldorf-Art zeigt der 48-jährige Künstler unter dem Titel „Charles Eames für Vegetarier“. Was sich hier versammelt, wirkt wie eine Persiflage auf das Museale, spielt mit viel Zynismus und Ironie an auf Zeitgeist, Kunst und Geschichte, wie dies bei Dillemuths Ausstellungen, Performances sowie in seinen zahllosen theoretischen Auseinandersetzungen eine gute Tradition hat. Schließlich heißt das Modell der Galerie samt den großen, ebenfalls kristallisierten Scherben auf dem Sockel „Entwurf für Reformkathedrale“.

Wie 1998 auch bei Christian Nagel, als Dillemuth mit „Die Wagnerianer zu Köln“ einen Kommentar über die politische Dimension der deutschen Romantik und deren Wirkung inszenierte, um damit das heutige Künstlerverständnis zu hinterfragen, will auch die aktuelle Schau produktions- wie rezeptionsästhetisch Gegenwartskunst reflektieren. „Der deutsche Jüngling“, so ihr Titel, versammelt allerlei…

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von Uta M. Reindl

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