Ausstellungen: London · von Amine Haase · S. 347
Ausstellungen: London , 2004

AMINE HAASE

Symbolist oder Minimalist?

Constantin Brancusi: The Essence of Things

Tate Modern London, 29.1. – 23.5.2004
Guggenheim Museum New York, 10.6. – 19.9.2004

Es ist wahrscheinlich ebenso unmöglich mit Worten von Brancusis Bildhauerei eine wenn auch noch so unvollständige Vorstellung zu vermitteln wie durch die Hilfe der Fotografie. Ein Mensch schwingt sich empor in die Unendlichkeit, und seine Kunstwerke sind die Spur, die er in der Welt der Erscheinungen zurücklässt.“ Das sagte der Schriftsteller Eszra Pound über seinen Freund, den Bildhauer Constantin Brancusi. Und er beschreibt damit die Abkehr Brancusis von einem Realismus, den auch Auguste Rodin, in dessen Atelier der Dreißigjährige eine Zeitlang arbeitete, noch pflegte. Dennoch sind die „Spuren“, die Brancusis Skulpturen in den Raum zeichnen, wiedererkennbar. Die Silhouette des „Vogels im Raum“, ein schmales bronzenes Aufscheinen, mit dem die große Brancusi-Ausstellung in der Londoner Tate Modern endet, ist der wunderbare Abschluss einer Erzählung in zehn Kapiteln über Skulptur. Ein Ende, das keines ist, im herkömmlichen Sinn, das vielmehr die Perspektive „in die Unendlichkeit“ öffnet. Der kleinste Saal der Ausstellung, in dem sich allein Brancusis „Vogel“ befindet, resümiert den Wunsch des Bildhauers nach Unendlichkeit, die in einem abstrakten Zeichen gerinnt und für jeden einsehbar wird.

Die „Unendliche Säule“, die er in seiner rumänischen Heimat errichtete, ist die sicherlich am radikalsten abstrahierende Umsetzung eines Konzepts, das alle skulpturalen Wege des 19. Jahrhunderts hinter sich ließ und weit in das 20. hinein wirkte. Robert Morris, der seine Magisterarbeit über Brancusi schrieb, rückt ihn – sicherlich etwas gewagt – in die Nähe des Minimalismus. Anhaltspunkt…

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