Ausstellungen: London , 2004

AMINE HAASE

Im Netz der Alpträume

„The Art oft Philip Guston“

Royal Academy London, 24.1. – 12.4.2004

Pantheon“ nannte Philip Guston ein Bild, das er 1973 malte: Eine Staffelei mit einer leeren Leinwand, eine Glühbirne sowie die Namen Massaccio, Piero, Giotto, Tiepolo und, am Rande, de Chirico. Der Name Rembrandt kommt nicht vor. Und von dem hatte er nur wenige Jahre zuvor behauptet, er sei der einzige Maler der Welt. Ist also dieses für Guston merkwürdig konzeptuelle Bild eher eine Erinnerung an seinen Italien-Aufenthalt 1971 als Artist in Residence der American Academy in Rom? Oder an seine große Europa-Reise von 1960, mit dem Ausgangspunkt Venedig, wo er die USA auf der Biennale vertrat, und dem intensiven Studium der Werke von Piero della Francesca in Umbrien? Piero, das ist er, dessen Fresken Guston in Arezzo studierte, und den er „den idealen Maler“ nennt, da er nach der Abstraktion gestrebt und seine Malerei etwas Phantastisches, etwas Metaphysisches habe. Die Faszination, die sowohl Piero della Francesca als auch Rembrandt auf ihn ausübten, kennzeichnet das ganze künstlerische Dilemma, in dem sich Philip Guston befunden hat. Er wusste, dass er sich mit der Fixierung auf diese beiden Maler auch auf zwei unvereinbare Positionen festlegte, wenn er das, was Rembrandt malt, nicht als Malerei begreifen wollte, sondern als „Wirklichkeit“, wie er sagte. Der Widerstreit zwischen den zwei Extremen scheint Guston buchstäblich zu zerreißen. Und jeder, der eine Ausstellung sieht, die „den ganzen Guston“ zeigt, spürt diese Zerreißprobe fast physisch. Michael Auping vom Modern Art Museum of Fort Worth hat eine…

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