Ausstellungen: München , 2005

Cornelia Gockel

Thomas Hirschhorn

»Doppelgarage, North Pole, South Pole, Not in My Name, Les Quartre Livres«

Pinakothek der Moderne, 3.3.2005 – 03.7.2005

Was der Nachbar in seiner Doppelgarage macht, haben wir uns schon immer gefragt. Jede freie Minute verbringt er in den ungeheizten fensterlosen Räumen. Repariert er dort alte Autos, frönt er heimlich seinem Hobby des Modelleisenbahnbaus oder bastelt er womöglich gar an einer Bombe? Die Doppelgarage dient als Metapher für einen männlich definierten Ort des Rückzugs, als Platz für nicht ausgelebte Phantasien und Ideen hinter der Fassade wohlanständiger Bürgerlichkeit. Auch Thomas Hirschhorns Installation „Doppelgarage“ von 2002, in der Pinakothek der Moderne ruft diese Assoziationen hervor. Die Wände sind nicht, wie gewohnt aus grauen Betonsteinen, sondern aus Pappe, deren lapidare Bemalung ein Mauerwerk assoziiert. Fahles Neonlicht fällt auf die Wände, an denen Werkzeuge unterschiedlicher Art hängen. Zwischendrin kleben Textfragmente des Philosophen Marcus Steinweg über Werk und Bedeutung Nietzsches. Wozu der Nachbar das alles braucht, wird nicht ersichtlich. Aber egal, denn in Hirschhorns Doppelgarage fühlen wir uns wie Alice im Wunderland, wo alles seine Maßstäblichkeit verloren hat. In einer Phantasielandschaft mit überdimensionalen Pilzen ziehen Modelleisenbahnen unermüdlich ihre Runden. Zentraler Angelpunkt der Installation aber ist ein goldener, raketenförmiger Gegenstand, der auf schlichten Holzböcken ruht. Alles ist aus ganz einfachen Materialen, wie Klebeband, Pappe, Goldpapier oder Plastikfolie gebastelt. Es sind arme Materialien, die aus dem Bereich des Alltäglichen stammen, damit sie nicht einschüchternd wirken. Hirschhorn beharrt auf dem Selbstgemachten, auch wenn das einen enormen Arbeitsaufwand für ihn bedeutet.

Das Werk des 1957 in Bern geborenen und in Paris…

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von Cornelia Gockel

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