Ausstellungen: Utrecht · von Beate Ermacora · S. 393
Ausstellungen: Utrecht , 1992

Beate Ermacora

Thomas Huber

Die Bank, eine Wertvorstellung

Centraal Museum, Utrecht, 11.9. – 8.11.1992

1989 wurde Thomas Huber von der Bayrischen Hypo-Bank eingeladen (KUNSTFORUM International berichtete darüber), sich an einem Wettbewerb zur künstlerischen Ausgestaltung derselben zu beteiligen. Den Zuschlag bekam er allerdings nicht. An den zu erwartenden Kosten wird es wohl ebensowenig gelegen haben wie an mangelnder ästhetischer Ansprechbarkeit. Dazu führt er im besten Sinne der Tradition viel zu gekonnte Malerei, kombiniert mit eingängigen und wohlgestalteten Objekten, vor. Vielleicht hat einer Realisierung im großen Stil gerade dieses bis ins kleinste Detail optisch, aber vor allem inhaltlich zusammenhängende Konzept im Wege gestanden. Welche Bank läßt sich gerne mit ihrer eigenen Logik schlagen und in wirtschaftlicher Hinsicht eine Bankrotterklärung abgeben zugunsten geistigen Kapitals. Denn dieses wird nach Thomas Huber im geheimnisvollen Umwandlungs- und Verbrennungsprozeß von Geld in Kunst gewonnen. Der Künstler führt – mit an wissenschaftliche Genauigkeit grenzender und unwiderlegbarer Schlüssigkeit – den Beweis, daß die geistigen Substanzen und all ihre Werte in der Bank brachliegen. Und damit die Ursubstanz der Bilder, der Vorstellung und der Wirklichkeit schlechthin. Durch Helfer in Symbolform bestimmter Tiere, durch Hilfsgeräte wie Gefäße, durch Hitze, Wasser und Öl wird die Kunst an diesem Ort vom Künstler im alchimistischen Verfahren geschöpft. Das Endprodukt ist die Seife, die wahre Essenz der Malerei. Poetisch und märchenhaft transformiert Huber die Riten der Bank, des Geldes und ihre allgemeinverbindliche Sprache in den Kosmos der Kunst.

Das, was in der Bank nicht möglich geworden ist, hat sich der Direktor des Utrechter Centraalmuseums verwirklichen lassen. Die Gestaltung seines Direktorenzimmers…

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