Magazin: Museen & Institutionen , 1997

Michael Hübl

Umnutzungen

Das ZKM Karlsruhe als Teil des postindustriellen Wandels

Ausgebrauchte, aufgegebene, dem Verfall überlassene Zweckbauten des hochindustriellen Zeitalters kulturell zu nutzen, ist inzwischen fast westlicher Standard. Die Gebäude wurden verfügbar, als etwa Anfang der 70er Jahre eine tiefgreifende wirtschaftlich-gesellschaftliche Umstrukturierung einsetzte, in deren Verlauf sich bestimmte Produktionsformen und -stätten als unrentabel erwiesen. Die überständigen Industriebauten werden abgerissen oder in Erwartung einer geänderten ökonomischen Verwertung notdürftig erhalten. Am Hallenbau A in Karlsruhe, in dem jetzt das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) eröffnet wurde, läßt sich diese Entwicklung anhand der Nutzungsgeschichte exemplarisch verfolgen.

Insofern wäre das ZKM ein Fall unter vielen – angefangen von Kampnagel in Hamburg über Brandt’s Klædefabrik in Odense bis zur Tate Gallery in Liverpool. Aber gerade die Geläufigkeit solcher Umwandlungen von Betriebsgebäuden in Kulturstätten läßt es heute geboten erscheinen, die semantischen Zusammenhänge dieser funktionalen Neudefinitionen genauer ins Auge zu fassen, also etwa zu fragen: Welche Verbindungen zur Geschichte des Gebäudes bestehen? Wie werden sie akzentuiert oder verworfen? Welche Rückkopplungen bestehen zwischen dem Bauwerk und seinem neuen Inhalt? Welches Verhältnis zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts wird impliziert oder womöglich zur Schau gestellt? Auch hierin erweist sich das ZKM als ein Objekt, an dem sich paradigmatisch Momente eines Prozesses darstellen lassen, der vor etwa 30 Jahren in New Yorker Lofts und anderswo einsetzt, um nun in postindustriellen Kulturanlagen seinen vorläufigen Abschluß zu finden.

Die Geschichte der Aneignung von Lagerhallen und Fabriken, Bahnhöfen oder Werkstattgebäuden läßt sich grob einteilen in zwei Phasen. Eine privat-autonome Initiative wird nicht selten abgelöst von einer…

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von Michael Hübl

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