Titel: Spanien im Aufbruch · S. 202
Titel: Spanien im Aufbruch , 1988

Video, Performance, Photographie

Von Karin Ohlenschläger

Bis 1984 war das Thema Videokunst in Madrid eine nur isoliert auftretende und im allgemeinen resonanzlose Erscheinung, welche in der Galerie Vandres (heute Vijande), im Espacio „P“ oder im Deutschen Kulturinstitut ihr Forum hatte. Nach dem durchschlagenden Erfolg des Ersten Nationalen Videofestivals 84 im Círcule de Bellas Artes entzündete sich in ganz Spanien eine wahre Euphorie. Sie fand kürzlich ihren ersten fruchtbaren Niederschlag in den zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen zum Thema Videokunst, die parallel zur ARCO 88 von den verschiedenen Institutionen in Madrid unabhängig voneinander organisiert wurden.

Nach einer ersten, umfangreichen anthologischen Ausstellung spanischer Videokunst im Herbst vergangenen Jahres ehrt nun das Kulturzentrum Reina Sofía die katalanischen Pioniere der ersten Videogeneration mit monographischen Präsentationen: zunächst Antoni Muntadas und anschließend Francesç Torres. Der Círculo de Bellas Artes eröffnete zur gleichen Zeit eine dreiwöchige Ausstellung mit Installationen der gegenwärtig herausragenden Videokünstler Antonio Cano, Alejandro Corominas, Pedro Garhel, Paloma Navares und Carlos Pujol. Auch das Instituto de Juventud in Madrid zeigte im Februar in der Sala Amadis Videoinstallationen und Monokanalarbeiten von zehn spanischen Nachwuchskünstlern, die das Ministerium nach einer Ausschreibung mit Subventions- bzw. Produktionshilfen bedacht hatte. Das Spanische Museum für Gegenwartskunst in Madrid, M.E.A.C., eröffnete zwei Wochen später eine umfangreiche Ausstellung mit Fabrizio Plessi. „Videoarco“ nannte sich die Rahmenveranstaltung zur Madrider Kunstmesse, die das von der Projektgruppe „Rompeolas“ organisierte Videoprogramm des kürzlich gegründeten Vereins unabhängiger Videoproduzenten, AVPI Madrid, vorstellte.

Das Videofieber hat auch die führenden Tageszeitungen „El País“ und „ABC“ ergriffen: Video als allgemein soziokulturelles und speziell künstlerisches Phänomen wurde zum…

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