Titel: Spanien im Aufbruch · von Gabriele Rivet · S. 144
Titel: Spanien im Aufbruch , 1988

Perejaume

Der Katalane ist auf dem Gebiet der environmentalen Objektkunst eine sehr eigenständige Figur. Die Dialektik zwischen Schein und Sein bestimmen seine vielseitigen Arbeiten in der Malerei, als auch in Collagen, in Video-und Photoarbeiten sowie in Landschaftsinstallationen. Sein konzeptueller Ansatz erzeugt am Ende eine Poesie, die manchmal C.O. Paeffgen sehr nahe ist. Die Ästhetik der sechziger Jahre manifestiert sich in Arbeiten wie „La distancia més curta“, wo Autoreifenstücke, die sich zu einer Weltkugel zusammenfügen im Kontext mit der metallenen Mondsichel ein kosmisches Gleichnis darstellen. Der Spiegel in einem schweren Rahmen, vor dem ein mit Wasser gefüllter Metalleimer steht, aus der Installationsserie „Marcs“ von 1986 reflektiert den Raum und erinnert entfernt an Kosuths Arbeit „One and Three Chairs“ von 1965. Doch wäre es unfair, die Arbeiten des katalanischen Multimedia-Künstlers ausschließlich auf ältere, ausländische Vorbilder zu reduzieren. Aus „Neuschwanstein, el trineu del rei“ von 1986 etwa spricht die Ironie der Postmoderne: Ein Ölgemälde mit eierschalenfarbener Fläche, auf der eine schwarze Mondsichel gemalt ist, wird auf einer Seite mit einem vergoldeten, fragmentarischen Dekorelement mit Schwan konfrontiert. „Neuschwanstein, der Schlitten des Königs“ – eine nächtliche Schlittenfahrt Ludwig II.? Reisen durch die Zeit und die Imagination sind ein wichtiger Themenkomplex Perejaumes. Die nur im Relief angedeutete Lokomotive von „Tren“, einer Montage von drei monochromen Leinwänden scheint durch die drei imaginierten Bildräume zu fahren. In „Fuirosos“ ist die Rückseite der Leinwand Träger zweier übereinander montierter Landschaftsbilder impressionistischer Manier. In der Überlagerung hebt sich der illusionistische Charakter der Malerei auf, die Bilder sind objektiviert. Auf der ARCO präsentierte…

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