Titel: Spanien im Aufbruch · von Gabriele Rivet · S. 174
Titel: Spanien im Aufbruch , 1988

Txomin Badiola

Er wird gemeinsam mit Bados, Irazu und Moraza zu den vielversprechenden baskischen Bildhauern gerechnet. Seine Arbeit führt das Erbe Oteizas fort. Diese jüngere baskische Bildhauerei geht vom minimalistischen Prinzip der Formverknappung aus und hält sich auch in der Verwendung von unbearbeitetem Metall durchaus an eine regionale Tradition.

Wie Pello Irazu arbeitet Txomin Badiola (geb. Bilbao, 1957) mit geometrischen Grundelementen: mit Flächen, Hohlkörpern, mit Vierkantstangen aus Stahl oder Eisen. Zum Formenrepertoire der plastischen Arbeiten Badiolas gehören: Reliefs oder Halbreliefs, reine Bodenskulpturen sowie environmentale Objekte, die der Wand als stützendes Element bedürfen. Während sein jüngerer Künstlerkollege Emilio Martínez den Arbeitsvorgang am Material vorführt, stellt Badiolas Stahlblechplastik in ihrer ausgewogenen Endgestaltung Verweisbezüge her, mitunter auch auf Gegenständliches wie Tisch oder Stuhl. Grundsätzlich aber wird die strenge, auf klaren mathematischen Formen aufbauende Struktur zur Metapher für die elementaren Zustände von Körpern.

In seiner Arbeit „Coup de Dés 2“ beweist Badiola Sensibilität beim Ausbalancieren von Schwere und Leichtigkeit: Die gesamte Konstruktion eines tischförmigen Objektes, das von zwei Schächten unterschiedlichen Ausmaßes durchdrungen ist, scheint fast umzukippen, ist ausgeklügelt schief konzipiert und dabei doch in sich ruhend. Titel wie „König“ und „Königin“ („El Rey“ und „La Reina“) oder „Der Verschwörer“ („Conspirador“) stellen die Plastiken in einen machtpolitischen Zusammenhang und eröffnen eine neue Ebene der assoziativen Interpretation.

Die Ausstellungsmacherin und Kunstkritikerin Aurora Garcia akzentuiert in einem Katalogtext die „Symbiose von Tradition und Modernität“, die sich im plastischen Schaffen Badiolas artikuliere. Die russischen Konstruktivisten werden da ins Spiel gebracht, zumal Badiola wie El Lissitzky ambiguose und extrem verzerrte geometrische Formenspiele betreibt…

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