Titel: Spanien im Aufbruch , 1988

Susana Solano

Deutlicher als die Basken Txomin Badiola und vor ihm Jörge Oteiza steht die katalanische Künstlerin im Gefolge der Minimal Art, bei der individuelle Erfahrung auf die Realität einer Plastik bezogen ist: „Eine Form, eine Masse, eine Farbe ist, was man sieht“ (Donald Judd). Dennoch unterscheidet sich Susana Solano (geb. 1946, Barcelona) von dieser Position. Zwar entspricht die Wahl ihrer formalen Mittel minimalistischen Ideen, aber ihre Anbindung an die Welt der Gegenstände ist unübersehbar: Ihre Titel geben fast immer Hinweise, manchmal auch biographischer Art. Die Plastiken verschränken direkte, formale, äußere Anregung und indirekte, emotionale Bedeutung.

Die anonyme Schönheit funktionaler Gegenstände könnte bei einigen Plastiken Anregung gewesen sein: beispielsweise Tonnen, Container, eingesetzte Gitterroste, die direkt aus der Industriefertigung stammen, oder Möbel.

In frühen Arbeiten von 1980 – 82 bezieht sich Solano noch stark auf Chillida, wo Raum durch geschmiedetes Eisen eröffnet und geschlossen wird („Anell“, „Espluga“, „Dona“, „Maternitat“). Dieses Thema behandelt Solano auch in der Serie „Colinas Huecas“ von 1984 in einer für sie charakteristisch werdenden Formensprache. Großteilige, gebogene Stahlbleche formen die meisten ihrer gewichtigen Plastiken.

Der Raum wird als eigenes Element in Gegensatz zum Eisen gesetzt. Der Leerraum wird zu einem Zentrum der Plastik, die ihn mit Schutzschilden ummantelt. Partiell oder auch vollständig abgeschlossene Räume werden im Raum ausgegrenzt. Die Dialektik von Innen und Außen, das aktive Eingreifen in vorhandene Umgebungen, kann in einer topologischen Beziehung zum existenziellen Raum gesehen werden.

Das abweisende, rohe Material, welches den Raum so wuchtig umschließt, läßt die Plastiken wie Orte des Bedrohlich-Unfaßbaren wirken. „Hogar Dulce Hogar,2“ von 1986…

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von Teresa Blanch

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