Titel: Spanien im Aufbruch , 1988

Juan Muñoz

Die Arbeiten von Juan Muñoz (geb.1953, Madrid) spielen mit perspektivisch-illusionistischen und mit metaphorischen Verweisen. Manchmal erscheint eine Figur oder ein amputierter Körper als skurriler Zeremonienmeister und fordert den Betrachter auf, seine Position zu überdenken. Denn diese ist ein wesentlicher Bezugspunkt in den Werken des Madrider Künstlers. Dazu Muñoz im Szenenblatt „Sur Exprés“: „…der Boden als Erscheinung und die Figur als offenkundige Wirklichkeit und die Figur als das, was wirklich scheint.“

Ein kunsthandwerkliches Männlein, mit einer albernen Physiognomie sitzt in der Rauminstallation “ Waste land“ auf einer Mauer hoch über dem grau-rosa Kachelfußboden, der eine große Räumlichkeit illusioniert. Der Boden ist kein Fundament, er droht mit labyrinthischen Abgründen. Das Grinsen der sitzenden Figur wirkt töricht. Eine Anspielung auf T.S.Eliots „Wasteland“, ein Poem über die Sinnlosigkeit des Lebens in der modernen Zivilisation, mag in dieser Arbeit liegen.

Muñoz verwendet auch architektonische Versatzstücke wie Ballustraden, Wendeltreppen, Gitter, Geländer oder Balkone, inszeniert sie in oft absurden und daher überraschenden Kontexten. Der Treppenaufgang des „Sternhöhenmessers“ ist aus dem Gleichgewicht geraten („Astrolabio Para El Norte De La Tormenta“); die Tretmühle ist an die Halterung geschweißt und kann weder vor noch zurück; Treppen hören unvermittelt auf und führen ins Nichts; ein Balkon hängt dysfunktional, ohne Zugang an der Wand.

Viele Elemente in den Installationen von Juan Muñoz bleiben fragmentarisch, als wollten sie den Betrachter die abwesende Körperhaftigkeit rekonstruieren lassen. Während andere in ihren Arbeiten vermittelbare Strukturen oder Objektkonstellationen anstreben, bleibt Munoz in seinen Installationen und Objekten unzugänglich oder auch mysteriös. Es sind ironische, spielerische und bisweilen postmodern zu nennende Arbeiten, da sie konventionelle Ikonographien von Sehnsucht und Romantizismen geradezu lustvoll demontieren.

von Gabriele Rivet

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