Magazin: Publikationen · von Cornelia Gockel · S. 458
Magazin: Publikationen , 1999

vielfaches echo

Zeitgenössische Kunst zwischen den Kulturen

„Unwiderruflich gehe ich nach Madagaskar. Ich kaufe auf dem Land ein Haus aus Lehm, das ich selbst vergrößern werde; ich werde anpflanzen und einfach leben. Modell und alles was es zum Studienmachen braucht. Ich gründe dann das Atelier in den Tropen, “ schrieb Paul Gauguin 1890 in einem Brief an seinen Freund Emile Bernard. Die Sehnsucht nach dem einfachen, ursprünglichen Leben war es, die Künstler wie Gauguin in die Ferne getrieben hat. Auf den Inseln der Südsee bei den „besseren Wilden“ glaubte er, die Urzustände des Bildnerischen zu finden. Obwohl die Welt heute, mehr als hundert Jahre später, durch Globalisierung, Migration und neue Informationstechnologien kleiner geworden zu sein scheint, hat sich an unserer westlichen, folkloristisch geprägten Sichtweise auf andere Kulturen nicht viel geändert. Am deutlichsten wird das in der Rezeption der Kunst außereuropäischer Kulturen, bei der die Kategorien unseres westlich geprägten Kunstverständnisses zwangsläufig versagen. „C’est sauvage, mais c’est l’art“, war das geflügelte Wort von Gauguin, das auch heute noch in unserer Vorstellungswelt verankert zu sein scheint.

Im Frühjahr letzten Jahres hat sich in Stuttgart unter dem Titel „vielfaches echo“ ein Ausstellungsprojekt mit der Frage nach der künstlerischen Kommunikation zwischen außereuropäischen und europäischen Kunstformen beschäftigt und anhand von Einzelbeispielen versucht, Perspektiven und Leitlinien der Wanderschaft zwischen den Kulturen aufzuzeigen. Die Anregung zu diesem Gemeinschaftsprojekt, an dem 22 private und öffentliche Stuttgarter Ausstellungsinstitute beteiligt waren, kam von den Galerien. Die im Verlag für Moderne Kunst erschienene Publikation „Vielfaches echo – Zeitgenössische Kunst zwischen den Kulturen“ mit einem einleitenden…

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