Ausstellungen: Hannover , 1999

Jürgen Kisters

Wasa Marjanov

Sprengel-Museum, Hannover, 2.12.1998 – 4.12.1999

Die niedersächsische Stadt Hannover ist als Austragungsort der Weltausstellung EXPO 2000 in aller Munde. Unter anderem schauen alle Augen erwartungsvoll auf die eigens dafür vollzogenen baulichen Verwandlungen der sonst eher unscheinbar und architektonisch uninteressant geltenden Stadt. Gleichermaßen als Vorgeschmack und als ästhetische Maßvorgabe präsentiert der Künstler Wasa Marjanov im Sprengel-Museum bereits jetzt sein „Hannover-Projekt“ und zeigt, was alles möglich wäre, wenn man der Phantasie bei der Gestaltung unserer Städte mehr Spielraum ließe. Das beinhaltet zum einen die bedauerliche Feststellung, daß die zeitgemäße Architektur allzusehr in nüchternen Einweg-Funktionalismus verstrickt ist, selbst dann noch, wenn es sich um national aufgeladene Riesenbauvorhaben handelt. Zum anderen formuliert er das ungebrochene Vertrauen in die utopische Kraft der Kunst, indem seine Skulpturen, Bilder und Objekte in der alten Tradition der virtuellen Welten der visuellen Künste stehen.

Für zehn Standorte, verteilt über das Stadtgebiet Hannovers, hat Marjanov seine „phantastischen Architekturen“ entwickelt. Er sieht sie allerdings keineswegs als Modelle für reale Bauwerke, sondern vielmehr als (fiktive) Hinweise auf neuralgische Punkte von Stadtplanungen und Bauvorhaben sowie als ästhetische Anstöße für ein anderes Sehen und Denken. Schon die Titel verraten seinen Denkansatz, der ein gesundes Maß an Ver-rücktheit mit Humor und ästhetischem Kalkül verknüpft. Da ist etwa die „Anlage zur rituellen Fußwaschung der Hannover Besucher“, ein simples Objekt, das mitten in einer auf Technik fixierten Welt die Erinnerung an alte kulturelle Bräuche wachhält. In unmittelbarem Zusammenhang steht das „zentrale Verwaltungsgebäude des Geldregens zur EXPO 2000 mit verstellbarer Sickergrube“, das den kritischen Wink auf die Geldgefräßigkeit…

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von Jürgen Kisters

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