Gespräche mit Künstlern · von Heinz Schütz · S. 262
Gespräche mit Künstlern , 1990

Wenn die Malerei gelungen ist, verschwindet die Geometrie beim Betrachten des Bildes

EIN GESPRÄCH MIT HEINZ SCHÜTZ

»What goodness or greatness we can conceive to arise in the companies of men, from chastity of thought, singularity of life, simplicity of custom and balance of authority; precisely that kind of greatness may be given to a picture by the simplicity of its forms, and the symmetry of its masses.«
John Ruskin

Symmetrie, Geometrie und Proportionalität geben der Malerei Jon Grooms das Gepräge klassizistisch anmutender Strenge. Der konstruktive Aufbau, die Addition heterogener dreidimensionaler Bildkörper führt, die Gattungsgrenzen in Richtung Skulptur respektive Objekt hin überschreitend, zu Bildarchitekturen. Grooms Malerei insistiert auf physischer Präsenz. Dies zeigt sich etwa in der reliefartigen, raumgreifenden Staffelung der Bildkörper und in der Rückbindung der Farbe ans Material. Gleichzeitig jedoch erzeugten das Nebeneinander von gemalten Farbkanten und den Kanten der Bildkästen wie auch das Nebeneinander von Farbe und Metall ein Spannungsfeld, das die physische Präsenz übersteigt. Die klassizistische Kühle steigert sich zu einer romantisch anmutenden, die Physis affizierenden Emotionalität.

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HS: Betrachtet man die strenge Geometrie und den rationalen Aufbau deiner Malerei, läge es nahe, sie als „Neo-Geo“ zu klassifizieren.

JG: Ich habe niemals verstanden, was „Neo-Geo“ bedeutet, und niemand konnte es mir bisher tatsächlich sagen. Es handelt sich lediglich um ein bequemes Etikett, das diejenigen, die sich theoretisch mit Kunst befassen, benutzen. Es bedeutet nichts. Vielmehr geht die eigentliche Dimension des Bildes unter solchen Etikettierungen und Kategorisierungen verloren. Je mehr der intellektuelle Aspekt in den Vordergrund tritt, desto größer wird der Abstand zur Malerei, und…

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