Report , 1997

Hubertus Butin

When attitudes become form
Philip Morris becomes sponsor1

Kunstsponsoring in Deutschland vor dem Hintergrund amerikanischer Entwicklungen

Kürzlich interessierte sich eine Firma dafür, meine ‚Aura‘ zu kaufen. Sie wollten nicht ein Produkt von mir. Sie sagten immer nur: ‚Wir wollen Ihre Aura.‘ Ich habe nie herausgefunden, was sie wollten. Aber sie wollten eine Menge dafür bezahlen.“2

Andy Warhol, von dem diese Anekdote stammt, ließ sich nie von der Wirtschaft vereinnahmen, denn er selbst vereinnahmte beziehungsweise instrumentalisierte die Wirtschaft. Mit seinen bereits in den 60er Jahren gegründeten Andy Warhol Enterprises, Incorporated war er wohl der größte Master of the Business of Art. John Lennon bezeichnete ihn als den „weltbesten Publicitystar“3. Die Überlagerung künstlerischer und kommerzieller Wertigkeiten war für Warhol etwas ganz Selbstverständliches. Die immer wieder tabuisierte, aber nicht zu leugnende ökonomische Komponente kultureller Arbeit wurde von Marcel Broodthaers in den 60er Jahren auf andere Weise thematisiert.4 Doch auch er erteilte dem idealistischen Glauben an eine von jeder wirtschaftlichen Realität abgehobene Autonomie und Reinheit der Künste eine deutliche Absage. Heute, dreißig Jahre nach Warhol und Broodthaers, situiert sich Kultur nun in einem System von Verflechtungen und Abhängigkeiten, das umfassender denn je ökonomisch geprägt ist. Die oft antithetisch behandelten Pole Kunst und Wirtschaft sind besonders im Laufe der letzten anderthalb Jahrzehnte eine enge Verbindung eingegangen, die von manchen begeistert als Fortschritt und Notwendigkeit begrüßt wird und von anderen wiederum aufs schärfste als unheilvolle Verbindung kritisiert wird.

I. Das Phänomen der privaten Kulturförderung

Während die öffentliche Hand immer öfter sparsam verschlossen bleibt, werden seit etwa Mitte der 80er Jahre Kunst…

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von Hubertus Butin

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