Ausstellungen: Winterthur · von Dora Imhof · S. 442
Ausstellungen: Winterthur , 1999

Dora Imhof

»Young«

Neue Fotografie in der Schweizer Kunst

Fotomuseum Winterthur, 5.6. – 15.8.1999

Die Ausstellung „Young“ – ist Jugend zwangsläufig immer neu und aktuell? – will einen Überblick über die Schweizer Fotografie der späten 90er Jahren zeigen. Eine Leistungsschau mit 17 Teilnehmern und Teilnehmerinnen, deren Ergebnisse zwangsläufig heterogen ausfallen müssen. Eine Not, aus der Urs Stahel im Fotomuseum Winterthur eine Tugend machte. Was er bei seinen Recherchen fand, war das pralle Leben in seiner fotografischen Vielfalt: Künstler und vor allem Künstlerinnen als „EssentialistInnen, IntimistInnen, Identitäts- und KörperforscherInnen, TheaterspielerInnen, MediasurferInnen, LandschaftsgestalterInnen und SpaziergängerInnen“.

Trotzdem: Zumindest oberflächlich ist das Bild der Ausstellung gar nicht so uneinheitlich. „Die ganz Jungen und eher Unbekannten“ wissen, wie man die Aufmerksamkeit des Betrachters gewinnt; es dominiert der breitformatige C-Print, dessen cinematografische, farbmächtig leuchtende Suggestivität den Blick mehr als die wenigen kleineren Arbeiten fesselte. Es ist eine sehr bewusste, fast intellektuelle – und außerordentlich inszenierte – Fotografie, die hier gezeigt wird. Die Jungen kennen die Vorbilder (Goldin, Becher, Orozco) und die Möglichkeiten des Mediums genau und führen sie gekonnt vor – eine Professionalität und Perfektion, die einen in ihrer Glätte dann manchmal zu unberührt lässt.

Ruth Erdt (*1965) zeigt die emotional aufgeladensten Bilder. Seit 16 Jahren fotografiert sie die Menschen ihres Umkreises. Familienszenen in Nahaufnahme: Die bloßen Rücken von zwei kauernden Kinden auf kühlen, glatten Fliesen, deren feine Haut und durchscheinende Wirbelsäulen Verletzlichkeit suggerieren. Das Grundthema dieser stimmungsvollen Fotografien, das mit Motiven von Blut bis Bambi manchmal nah an die Grenze des Kitschs geführt wird.

Der Körper, seine Manipulation, Inszenierung, Fragmentierung ist Thema…

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