Ausstellungen: Graz · von Justin Hoffmann · S. 396
Ausstellungen: Graz , 1997

Justin Hoffmann

Zonen der Ver-Störung

Marieninstitut, Graz, 28.9. – 31.10.1997

Bei allen großen Ausstellungen des diesjährigen steirischen herbstes (neben „Zonen der Ver-Störung“, „2000 minus 3“, „Borderlines“ und „Sex & Space“) standen aktuelle gesellschaftliche Aspekte im Mittelpunkt. Sie regten damit zur Diskussion über Fragen an, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen: Welche politische Relevanz können Veranstaltungen im subventionierten Kulturbetrieb eigentlich besitzen, wie sieht das Verhältnis von Präsentation und Praxis in gesellschaftskritischen Themenausstellungen aus, wann besteht die Gefahr der Kulturalisierung sozialer Bewegungen, und wie verläuft die Grenze von Kunst und Nicht-Kunst, falls diese überhaupt noch relevant ist?

Eine leerstehende Schule in der Nähe einer Marienkirche war in der Tat das passende Szenarium für eine Veranstaltung, die den Titel „Zonen der Ver-Störung“ trägt. Die von Silvia Eiblmayr kuratierte Ausstellung widmet sich gleich zwei Formen der Störung, der psychischen und der politischen. Zwischen ihnen lassen sich durchaus Zusammenhänge feststellen: So ist der Gestörte nicht immer auch ein Störer? Beide setzten auf jeden Fall gesellschaftliche Normen voraus, die der Künstler gewöhnlich zu verneinen weiß. Seit der Erfindung der Avantgarde scheint er ja dazu prädestiniert zu sein. Die Stockholmer Künstlerin Ann-Sofi Sidén zeigt in ihrer Installation, daß Kunst aber auch anderweitig verwendet werden kann, etwa in der Werbung der Psychopharmakaindustrie. Da wird schon einmal ein Ausschnitt eines Feininger-Gemäldes gewählt, um die Schizophrenie zu illustrieren, oder der Stil von Magritte adaptiert, um Antidepressiva feilzubieten – die „Entartete Kunst“ läßt grüßen. Eine gigantische Maschinerie aus Repression und Verdrängung wird in Sidéns Arbeit sichtbar. Als banale Störungen gelten das Vergessen…

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