Titel: Fiktion der Kunst der Fiktion · von Susan Kelly · S. 142
Titel: Fiktion der Kunst der Fiktion , 2010

Susan Kelly

Amorph 03

Ladonia, Wazooland, Nobinobi, Riesenguthland- Ellermark, Rübezahlia, Kugel-Mugel, Misurate, Isonomia, Wogastisburg-Schlämpenbüttel, Kingdom of Talossa… sind das Märchenländer meiner Kindheitserinnerung?“ fragt sich Oliver Kochta in seinem Text zum Katalog des ersten Treffens der Mikronationen in Helsinki im Jahre 2003. Er war selbst als Kurator an dem Projekt beteiligt. Die aufgeführten Namen sind samtlich sogenannte Mikronationen und es gibt noch mehr: Albernia (Kingdom of Albernia), Alpinia (Königreich Alpinia), Chinopien (Gelbes Reich), Colonea (Reino de Colona), Cranberra (Dominion of Cranberra), Dionysos (Republik Dionysos), Demokratische Union, Hollunderlande (Republiek de Hollunderlande), Huangzhou (Freie Stadt Huangzhou), Kaysteran (Republikska Kajsteranij), Leduveia (Império das Naçoes Leduveiras), Nöresund (Königreich Noresund), Tchino (Volksrepublik Tchino), Volkby (Freie Stadt Volkby), Wislanien (Rzeczpospolita Wislania)

Deren Existenz ist vor allem dem World Wide Web zu verdanken. Erst diese Technik hat es erlaubt, Personen miteinander zu verknüpfen, die sich in der Realität auf der Erdkugel auf gegenüber liegenden Kontinenten befinden. Insofern ist die Wiederholung des Ereignisses von 2003 nicht wirklich notwendig. Aber das Treffen in Helsinki war auch ein Beleg für die Realität der Micronationen. Damit verbunden ist eine Kritik am Staat in seiner jetztigen Form. Darüber hinaus lässt sich hier eine ganz andere Version der ’nation builing‘ verfolgen, wie sie im Umkreis der NATO als Begründung für Auslandseinsätze verwandt wird. Das ’nation building‘ ist hier einerseits durchaus real, denn hinter den jeweiligen Micronations stehen Menschen mit konkreten Vorstellungen und Ideen. Deren Anschlussfähigkeit an die Idee eines Staates, dessen moderne Version wohl erst in der Französischen Revolution entwickelt wurde, ist Grundbedingung der Existenz….

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