Titel: Fiktion der Kunst der Fiktion , 2010

Anselm Franke, Wolfgang Scheppe, Florian Böhm

FIKTION®

Die Allgegenwart der kommerzialisierten Fiktion verwirklicht sich vor unseren Augen. Die generalisierte und omnipräsente Fiktion der kommerzialisierten Bilder- und Vorstellungswelt hat ein eigenes Regelwerk und Wertesystem geschaffen, innerhalb dessen über die mediale Sicht- oder Unsichtbarkeit ausnahmslos aller Dinge entschieden wird.

Die kommerzielle, fiktionalisierte Ikonografie, unterscheidet sich wesentlich von anderen Bildtypen: Die Botschaft und die Bedeutung des Bildes sind festgelegt, in der Funktion des Bildes als einem Geschäftsmittel. Am Anfang des fiktionalisierten Bildes steht die Geschäftsbeziehung, ein Kontrakt, der festlegt, welche kommerziellen Interessen verfolgt werden. Das kommerzielle fiktionalisierte Bild muss, um die definierte Funktion zu erfüllen, eine Reihe von Widersprüchen in sich vereinen, die seinen besonderen Charakter ausmachen und Hinweise darauf liefern, wie es zur Universalisierung seiner Prinzipien kommen konnte.

Die kommerzielle, fiktionalisierte Ikonografie ist, wie andere Systeme auch, ein selbstreferenzielles System, dass aber alle, nicht nur die genuin mit Bildern arbeitenden Systeme der Produktion von Bedeutung überlagert und an sich bindet. Diese Form der Bildproduktion ist also das Referenzsystem aller Formen von Imagination. Von allen existierenden Bildtypen hat die kommerzielle und fiktionalisierte Ikonografie sich durchgesetzt, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ, ihr Sieg ist ein totaler: Das System kommerziell produzierter und genutzter Bilder ist das Bild aller Bilder, und dieses Metabild installiert und materialisiert sich überall.

Alle anderen Typen von Bildern erhalten ihre Bedeutung nur noch innerhalb dieses Systems bzw. werden diesem zugeführt. Auch das Erinnerungsfoto der privaten Massenfotografie oder das journalistische Bild erhalten ihren Stellenwert nur innerhalb dieses Systems. Diese dokumentarischen Bildtypen haben sich völlig abgenutzt, obwohl…

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