Titel: Fiktion der Kunst der Fiktion · von Thomas Dreher · S. 92
Titel: Fiktion der Kunst der Fiktion , 2010

Thomas Dreher

Art, Entertainment & Fiktion: Drei Beispiele

Florian Böhm, Wolfgang Scheppe und Luca Pizzaroni (SBA/Scheppe Böhm Associates) fotografierten seit 1997 überwiegend in New York. Aus ihrem auf über 100.000 Digital-Fotografien angewachsenen Archiv wählen sie für Präsentationen in Ausstellungen (Installationen 2002 in New York, Berlin, München, Rom und Paris), einem Buch (Hatje Cantz 2002) und einer Website (http://www.endcommercial.com) 1000 Fotos. Das Archiv enthält die fotografischen Spuren von Stadtrundgängen, die häufig nicht mehr und noch nicht (oder noch nicht wieder) kommerzialisierte urbane Bereiche erkunden.

Im Buch “ENDCOMMERCIAL® / Reading the City“ und in Installationen wird die Archivauswahl nach Themen gegliedert, zum Beispiel angekettete, nicht fahrtüchtige Fahrräder (unter “Locked Mobility“) oder blaue Plastikplanen (“Blue City“). Ein Strukturdiagramm präsentiert im Buch und in Installationen eine Übersicht über die Themen. Das Diagramm subsumiert 32 Themen unter drei Oberbegriffen (System, Order, Identity) mit je drei Subkategorien, um die Orientierung zu erleichtern. Übergänge zwischen globalen urbanen Charakteristika und Spuren der Stadtpolitik von New York (z. B. Zackenreihen auf Hydranten unter “Standpipes“) muß der Beobachter allerdings selbst entschlüsseln, da die Fotos ohne Kommentar präsentiert werden: Gerade darin liegt der Reiz des Projektes in seinem aktuellen Stadium.

Die Auswahl von Themen und Themenfolgen für Buch- und Ausstellungspräsentationen schafft neue Fiktionsräume aus nicht-fiktionalen Strategien der Stadterkundung. Im Text „FIKTION®“ (http://www.endcommercial.com/press/ecmain.html) analysieren Anselm Franke, Wolfgang Scheppe und Florian Böhm die Untrennbarkeit von Kommerzialisierung und Fiktionalisierung in und durch Werbefotografie. Die in „FIKTION®“ kritisierten Fiktionsräume des Kommerzes und die fotografische Stadterkundung in “ENDCOMMERCIAL®“ stehen in einem Spannungsverhältnis: Die Fotos setzen eigene Erfahrungen der Beobachter mit…

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