Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 376
Ausstellungen: Köln , 1992

Jürgen Raap

Andreas Techler – »Hygiene«

Galerie Luis Campaña, Köln, 4.9. – 10.10.1992

Der zivilisatorische Standard einer Kultur definiert sich u.a. durch ihr Verhältnis zum Schmutz; es ließ sich eine Fülle von Reglementierungen anführen, wann, wo und wie oft etwas gereinigt werden muß oder darf und was als „unrein“ bewertet und tabuisiert wird. Solcherlei kultursoziologische Betrachtungen münden beim Düsseldorfer Bildhauer Andreas Techler in die Erkenntnis der Absurdität einer Äquivalenz zwischen Reinigung und Relikt: „Wenn wir etwas waschen, ist das Waschwasser hinterher schmutzig.“ Der Dreck wird also nicht restlos beseitigt, sondern nur verlagert.

Im konzeptuellen Zentrum der Ausstellung steht eine Installation aus 32 treppenförmig angeordneten Waschbecken, plaziert in einem Schupppen im Hinterhof der Galerie. Sie stammen wie auch die sechs Duschwannen, die Techler zu einem Würfel zusammenfügte (Titel: „Der gekrümmte Raum“), aus dem Umkleideraum einer alten Fabrik. Rostschlieren und Verstaubungen blieben so belassen; Techler benutzt in fast allen Werkstücken Gegenstände und Materialien aus der unmittelbaren Umgebung seines Ateliers, ohne den Zustand der Oberfläche zu verändern, um damit auch eine Absage an die klinisch-kühle Baumarkt-Ästhetik in den Arbeiten mancher Künstlerkollegen zu postulieren. In der Installation ergibt sich dann als nächster Schritt eine „Optimierung der Form“, da die Gegenstände aus ihrem standardisierten Funktionszusammenhang herausgelöst werden. So bekommen beim Duschwannen-Würfel die Abflußlöcher einen neuartigen Stellenwert zugewiesen, indem durch sie aus dem Inneren des Würfels Licht dringt, welches in der Ausstellungsinszenierung atmosphärische Auswirkungen auf den Umgebungsraum dieser Skulptur hat. Hier sind Anklänge an die Lichtspiele der Op-art spürbar, während sich beim Waschbecken-Arrangement Assoziationen an die Wasserfallkaskaden in barocken Gärten…

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