Titel: Zürich , 1990

Bernhard Bürgi

Annelies Strba

Aschenwiese

Kunsthalle Zürich, 31.3. – 27.5.1990

Annelies Strba (geb. 1947 in Zug, lebt in Richterswil und Melide) fotografiert nur, was ihr alltägliches Leben betrifft, ihre menschliche Existenz unmittelbar ausmacht. Dies geschieht weniger aus konzeptueller Überlegung als aus innerer Notwendigkeit, und so hat sich ihr Werk in langjähriger Zurückgezogenheit angesammelt, in Schachteln gestapelt und legt sich nun erstmals öffentlich dar. Es sind meist intime und schlichte Motive – der Schlaf, das Spiel und das Erwachsenwerden ihrer Kinder, die Familie am Küchentisch, das solitäre Haus im Süden – die wohl das Eigene, aber nicht das Private meinen und darstellen. Denn Annelies Strba ist zu stark künstlerisch denkend und handelnd, als dass sie sich mit der tagebuchartigen Dokumentation des familiären Umfeldes begnügen könnte. Es verbindet sich nahtlos mit den Abbildern filigraner Geäststruktur oder düsterer KZ-Mauern in Polen, bildet den Nährboden für eine visionär gesteigerte Bildhaftigkeit, die universale Dimensionen berührt.

Bei aller Nähe und Verbundenheit mit dem Bildgegenstand lösen sich diese Fotografien von der Eindimensionalität der sichtbaren Wirklichkeit ab, verflüssigen sich in verdichteten Stimmungsräumen, die die psychologisch und soziologisch deutbare Erzählstruktur entrücken, wie zeitlos und fremd erscheinen lassen. Realistisch und verwunschen zugleich wirken diese materialisierten Bezugs- und Erinnerungsmomente, da sie wie die alten Märchen Ordnung suchen, aber das Chaos nicht scheuen, das Absurde, Rätselhafte und Abgründige wie die Sehnsucht nach Harmonie und den Glauben an Ganzheit in sich tragen. Traumwandlerisch überwinden sie feste Strukturen und bewegen sich im Unbegrenzten. Im Bereich magischer Transformation wäre der Anspruch auf makellose Handwerklichkeit verfehlt. Im Zeichen der Imagination werden…

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