Ausstellungen: London , 2000

Edgar Schmitz

Apocalypse. Beauty and Horror
in Contemporary Art

Royal Academy, London, 23.9. – 15.12.2000

Es ist ziemlich genau drei Jahre her, dass die Royal Academy sich und in ihr gezeigte Arbeiten in die Schlagzeilen der Boulevardpresse einschrieb, als sie Charles Saatchis Sammlung neuer britischer Kunst als ‚Sensation‘ präsentierte und damit erstmalig Gegenwartskunst diesseits von David Hockney für ihr Programm beanspruchte.

Die Neuauflage dieser Form implodierter Institutionskritik, die mit Blick auf Glaubwürdigkeit im Gegenwärtigen am etabliert konservativen Ruf der Institution rüttelt und damit Presse ebenso wie Besucherzahlen anzuheizen versucht, verspricht unter dem Titel ‚Apocalypse‘ jetzt nicht nur einen Überblick über internationale Gegenwartskunst, sondern auch Aussagen zu einem Begriff der Jetztzeit, der in dieser reißerischen Aufmachung selbst im Zusammenhang der Endzeitrhetorik letzten Jahres nicht überzeugt hätte.

Die Ausstellung bietet zwei Perspektiven: einerseits lässt sich ‚Apocalypse‘ als Bestandsaufnahme einer Gegenwart (der Kunst) lesen, in der ‚Beauty and Horror‘ als Bezugsgrößen nicht nur relevant, sondern auch noch (gerade in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit) in der Bibel zu verankern sein sollen. Elemente dafür sind prägnant und klar platziert: die präzise kalkulierte Schockwirkung in Chris Cunninghams Video ‚flex‘ (2000) und die exzessiv ausgebreiteten Folterszenen im invertierten Holocaustdiorama von Jake und Dinos Chapman (‚Hell‘, 1999-2000), denen mit Mariko Moris ‚Dream Temple‘ (1999) das Versprechen weltenthobener Schönheit und totaler Entrücktheit entgegensteht.

Doch diese Art verflachender Vereinnahmung der Arbeiten ist selbst für den übergreifenden Zugang zu sehr vom massiven Marketing der Ausstellung her gedacht und lässt den Bogen von Gregor Schneider bis Jeff Koons, den die Ausstellung vorschlägt, selbst als ironischen kaum zu. Andererseits (und…

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von Edgar Schmitz

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