Ausstellungen: Wien , 2008

Ursula Maria Probst

Bad Painting – good art

Keine reine Geschmacksfrage

MUMOK, Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig Wien, 6.6. – 12.10.2008

Malen als Gegenreaktion zu avantgardistischen und stilistischen Diktaten bildet den diskursiven Rahmen der Ausstellung „Bad Painting – good art“, der sich in der dichten Hängung großformatiger Werke von Julian Schnabel, Malcolm Morley, Neil Jenney, Albert Oehlen, Martin Kippenberger oder John Currin im ersten Abschnitt der Ausstellung manifestiert. Insgesamt 21 Positionen, die von Giorgio de Chirico, Francis Picabia, René Margritte über Sigmar Polke, Peter Saul, Georg Baselitz bis zu Philip Guston oder Asger Jorn reichen, wählten die Kuratorinnen Eva Badura-Triska und Susanne Neuburger aus, um exemplarisch ihre Genealogie des Bad Paintings zu spannen. Die Palette reicht von Rückgriffen auf Maltechniken alter Meister im Werk von John Currin bis zu einem fehlerhaften groben Malen im Werk von Philip Guston, das vor allem modernistischen Reinheitsgeboten zuwiderläuft. Neben Kitsch zählen Appropriation, Zitat, sowie Parodie, Ironie und Sprachspiele zu jenen Kunstgriffen, die zur Anwendung gelangen, um ein von der Avantgarde deklariertes Malverbot zu umgehen oder sich Unterordnungen an künstlerische Kanons zu verweigern. So lautet eine These der Ausstellung. Mit Ausnahme der Künstlerin Lisa Yuskavage ist Bad Painting hier allerdings eine reine Männersache.

Eine diskursive Auseinandersetzung mit dem Begriff „Bad Painting“ gestaltet sich komplex und verfänglich, funktioniert zeit- und kontextabhängig und erfordert Spürsinn für malerische Freispiele. Marcia Tucker verwendete den Begriff „Bad Painting“ erstmals kuratorisch anlässlich einer Ausstellung im New Yorker New Museum 1978 an prominenter Stelle und setzte „bad“ unter Anführungszeichen. Übersetzungen reichen von „schlecht“ über „hässlich“,…

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von Ursula Maria Probst

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