Ausstellungen: Schweiz , 1982

Brief aus der Schweiz

Mit einer üppig inszenierten Marcel-Broodthaers-Schau – „Museum“ – verabschiedete sich Johannes Gachnang von der Kunsthalle Bern. Die liebevolle Huldigung an diesen bemerkenswerten Außenseiter ist denn auch als eine programmatische Standortsbestimmung zu verstehen. Am Beispiel der „Integrationsfigur“ Broodthaers (1924-1976), dessen gelebte Praxis im Bereich der „Beaux-Arts“ von beispielhafter Würde und Konsequenz war, stellt Gachnang noch einmal sein Konzept zur Diskussion. So wie Broodthaers mit seinen kritischen und dennoch leichtfüßigen Untersuchungen des Systems „Kunst“ nicht nur wesentliche Einsichten in die fiktionale Zeichennatur der Wahrnehmung sinn- und augenfällig machte, sondern mit seinen Erkenntnissen auch festgefahrene Positionen in Frage stellte und Künstler aus verschiedenen Lagern miteinander ins Gespräch brachte; so ging es Gachnang mit seinem gegensätzlichen Programm immer auch darum, Verbindungen zu schaffen und neue Horizonte aufzuzeigen.

Eine andere, hintergründige „Museums“-Situation baute Jean-Frédéric Schnyder (geb. 1945) im Kunstmuseum Winterthur auf, indem er mit „Grill Room“ und „Delirium“ wieder einmal eines seiner kurzen Gastspiele in der Kunstwelt gab. Der „Grill Room“ ist eine wahrhaftige „Gemäldegalerie“ in einem schummrigen, grausam orangenen Licht. In vierzehn Oelgemälden im übelsten Warenhausstil wird über Idylle, Stilleben, Akt, Bildnis und Landschaft eine thematische Aufarbeitung der Malerei betrieben. Die von einem „Admiralsskelett“ – gebildet aus tausend, ehrlich ertrunkenen Korken – belebte Galerie, gerät im gediegenen Kabinett des Museums zu einem irrwitzigen Psychotrip, der im „Delirium“ nur noch gesteigert wird. Dieser Tanzreigen zur Musik von Fritz Kreisler vereint dreizehn, wohlgebackene, weiße Mäuse im Lichtschein einer Glühbirne; ein Tanz, in einem düsteren Raum, von dessen Wänden ein schwarz-weißer Raster aus viertausend A4-Blättern…

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