Ausstellungen: Essen , 1982

Marcel Odenbach:
Video-Installationen

Essen/München/Basel/Amsterdam

Etwas, das alle gegenwärtigen Behauptungen von der Unsinnlichkeit der technischen Medien Lügen straft, Marcel Odenbachs Video-Arbeiten haben die Stärke einer Droge. Nur, daß diese Drogen eben nicht Mittel der Flucht, sondern in ihrer auf das alltägliche Erleben und Erleiden der Wirklichkeit konzentrierten Ausschnitthaftigkeit Infektionsherde sind. Infektionsherde, die das Erleben des betroffenen Künstlers zur persönlichen Bedrohung dessen werden lassen, der es wagt, sich seinen Bildern auszusetzen.

Odenbach schöpft aus der freihaus gelieferten Konserven- und Sensationsbüchse der Medien, aus der banalen Beständigkeit des technischen Zeitalters und aus seinen politischen und menschlichen Katastrophen. Er schneidet aus der indifferent registrierten und vermeldeten Kette aus und kombiniert. Die Medien liefern Tag für Tag ein grauenvolles Potpourri von Mord, Betrug, Pseudomoral und Primitivvergnügen. Die unmenschliche Taktlosigkeit ist zur gutverdaulichen Gewohnheit geworden.

Marcel Odenbach filtert den Schrecken in einer „Collage“ aus vorgefundener Medienwirklichkeit und perfide einfachen Bildern persönlicher Betroffenheit. Zitate aus literarischen Werken – die Wahlverwandtschaft ist unschwer erkennbar – führen ein. Die Intensität der Stimmung machte sie verzichtbar.

Im Essener Museum Folkwang rotierte in penetranter Unerschütterlichkeit die Trommel einer Waschmaschine auf dem Monitor. Im Münchener Lehnbachhaus, später bei Stampa in Basel und im Stedelijk Museum zu Amsterdam wiegte sich ein Tannenwipfel leise im Wind und ein Ventilator kreiste vor sich hin. Oh schönes Abendland – oh schöner heißer Süden. An jedem Ort konfrontierte Odenbach diese „feste“ Installation einer zweiten wechselnden. In Amsterdam: Gefahr in Verzug, Krokodile, Schüsse, Schreie; welch herrliche Gewalt aus der Filmkonservenbüchse. Demgegenüber die Masse der Weihnachtseinkäufer in der Kommerzachse Kaufhof-Herti. Monopole, Center, Medienidylle, Hetze, billige…

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von Annelie Pohlen

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